- 20.08.2009, 14:14:05
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Führen Sie den Augartenspitz aus der Sackgasse, Herr Häupl!
Offener Brief an den Bürgermeister der Stadt Wien
Wien (OTS) - Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Häupl,
im zweiten Wiener Gemeindebezirk, der Leopoldstadt, sollen Teile
des historischen Parks Augarten, trotz gültiger
Bezirksparlaments-Beschlüsse dagegen, verbaut werden. Der Augarten
ist neben Schönbrunn und dem Belvederegarten die wichtigste barocke
Gartenanlage Österreichs. Er steht seit dem Jahr 2000 unter
Denkmalschutz im Verfassungsrang. Hier gaben Mozart, Beethoven und
Schubert (ohne eigenen Saal!) Konzerte, hier konnte das Wiener
Bürgertum ebenso wie später die Arbeiterschaft flanieren, denn schon
im Jahr 1775 stellte der aufgeklärte Kaiser Josef II. das riesige
Parkareal der Bevölkerung zur Verfügung. Josefs Widmung "Allen
Menschen gewidmeter Erlustigungsort von ihrem Schätzer" ist heute
noch über dem prachtvollen Eingangstor zu lesen.
Doch jetzt ist dieses Gesamtkunstwerk bedroht. Ausgerechnet durch
einen Verein, der sich den Erhalt österreichischer Kultur und
Tradition auf die Fahnen geschrieben hat: die Wiener Sängerknaben.
Denn just an der wichtigsten Ecke des Parks, die durch die neue U2
Station Taborstraße logischer Zugangsbereich zum Augarten wäre,
wollen die Sängerknaben einen riesigen Klotz - eine Konzerthalle - in
den wunderbaren Garten mit seiner Ulme, den Hollerbüschen und den
vielen Wildtieren, hineinbauen
Der Augartenspitz ist überall! Durch unsaubere Vorgehensweisen von
Politikern und Behörden gewinnt der Augartenspitz exemplarischen
Charakter. Nicht nur prominente Baumpaten wie Barbara Albert, Robert
Menasse, Erhard Busek oder Barbara van Melle (u.a.) und
Unterschriften von mehr als 10.000 Bürgerinnen und Bürgern, sondern
auch große mediale Aufmerksamkeit und Baugegner aus aller Welt (vor
allem Touristinnen und Touristen!) belegen, dass hier kein lokales
Phänomen, sondern ein allgemeingültiges Problem vorliegt. Es geht
darum, einen Beispielfall für den Vorrang von Partikularinteressen
vor Gesetzen und BürgerInneninteressen zu verhindern. "Der größte
Feind des Rechts ist das Vorrecht." (Marie v. Ebner-Eschenbach)
Was wir uns von Ihnen erhoffen: Im Zuge des unverhältnismäßigen
WEGA-Polizei-Einsatzes meinten Sie, dass man so einen Konflikt
ausreden müsse. Das meinen wir auch! Da wir über Ihr Büro bisher
keinen Termin mit Ihnen erhalten haben, bitten die
Augarteninitiativen auf diesem Weg um einen Gesprächstermin für einen
"Runden Tisch", gemeinsam mit den Wiener Sängerknaben. Am besten vor
Ort am Augartenspitz. Um mit Ihnen bei einem Lokalaugenschein die
Perspektive der Kritiker des Projekts erörtern, Ihnen die Schönheit
dieses "Alt-Wiener Ortes" vermitteln zu können und um Ihre Argumente
kennen zu lernen. Im Jahr 1999 waren es schließlich auch Sie, der den
Konflikt um die Planung der Hakoah- Sportanlagen im Augarten durch
die weise Entscheidung, einen Alternativstandort anzubieten, zur
Zufriedenheit aller Beteiligten lösen konnte. Wir hoffen darauf, dass
Sie auch diesmal einen Ausweg aus der Sackgasse weisen werden!
Mit freundlichen Grüssen, die Augarteninitiativen Josefinisches
Erlustigungskomitee und Verein Freunde des Augarten
PS: Eine Magistratsabteilung wirbt mit einem Wettbewerb für die
schönsten Grünoasen Wiens - wir hoffen, uns in den nächsten Jahren
dafür bewerben zu können: mit dem Augartenspitz!
Rückfragehinweis:
Verein Freunde des Augartens
Mag.a Eva Hottenroth
Tel: 0699 19453841
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