"DER STANDARD"-Kommentar zum Schutz für Informanten: "Verrätersuche" von Peter Mayr

Ausgabe vom 20.8.2009

Wien (OTS) - So unterschiedlich kann es laufen. In Deutschland hat ein "Whistleblower", also jemand, der Missstände in seiner Firma, in seinem Amt aufdeckt, einen Orden des Verbraucherschutzministers bekommen. Der Mann hat 2007 den Gammelfleischskandal aufgedeckt. In den USA hat das Time Magazine drei Whistleblower als "Persons of the Year" geehrt. Und in Österreich?
Hier scheint man noch meilenweit entfernt davon zu sein, "Whistleblower" nicht nur als Nestbeschmutzer zu sehen. Es gilt: Wer "plaudert", verstößt prinzipiell gegen die Regeln. Zumindest hat es Justizministerin Claudia Bandion-Ortner dieser Tage eindrucksvoll geschafft, genau diesen Eindruck zu erwecken. "Ich hoffe sehr, dass der Täter ausgeforscht werden kann", war eine erste Reaktion, als die Affäre um eine allzu enge Verquickung von Justiz und Politik hochgekocht war und brisante Dokumente in der Öffentlichkeit aufgetaucht waren. Dass sich Bandion-Ortner auf dem politischen Parkett schwertut, ist evident. Dass sie als frühere langjährige Richterin so reflexartig reagiert, ist verwunderlich.
Klar, nicht jeder, der Unterlagen weitergibt, ist auch ein "Aufdecker". Da sind ebenso Denunzianten und Querulanten dabei. Aber es gibt auch jene couragierten Menschen, die tatsächlich Missstände in ihrem Umfeld aufzeigen wollen. Diese Personen gehören geschützt -vor Sanktionen, vor Diskriminierung in ihrer Firma, in ihrer Behörde, sollte ihre Identität auffliegen. Und sie gehören ermutigt. Bandion-Ortner hat mit ihrer Verrätersuche für das Gegenteil gesorgt.

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