"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Krisenfeuerwehr statt Prävention" (Von Mario Zenhäusern)

Ausgabe vom 14.8.2009

Innsbruck (OTS) - Tragische Vorfälle wie in Krems zeigen mit aller Brutalität auf, wie wenig krisenresistent unsere hoch entwickelte Gesellschaft doch eigentlich ist. Und wie notwendig eine grundlegende Reform des Hilfsangebots für Kinder, Jugendliche, vor allem aber für deren Eltern wäre.
Immer dann, wenn Kinder und Jugendliche entweder Opfer von Straftaten werden oder selbst auf die schiefe Bahn geraten, gerät die Jugendwohlfahrt unter Beschuss. Ein ungerechtfertigter Reflex. Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sind personell gar nicht in der Lage, ihrem eigentlichen Job nachzukommen: die Entstehung von Krisen zu verhindern oder zumindest im Keim zu ersticken. Nach dem Fall Luca hat das Land Tirol zwar fünf Planstellen mehr geschaffen -das ist jedoch nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein! Fazit: Die Jugendwohlfahrt ist nach wie vor Krisenfeuerwehr, statt vorbeugend zu arbeiten.
In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Erziehungsberatungen in Tirol um 86 Prozent gestiegen. Eine Zahl, die weniger erschreckt, als Hoffnung macht. Eltern, die sich auf dem schwierigen Gebiet der Kindererziehung Rat von Experten holen, machen später weniger Fehler und sind so logischerweise weniger anfällig für Krisen. Aufgabe der öffentlichen Hand ist es, dafür zu sorgen, dass diese hilfesuchenden Mütter und Väter nie vor verschlossenen Türen stehen, dass ihnen vor allem rasch geholfen wird. Das setzt eine entsprechende personelle Ausstattung voraus.
Tragödien wie jene von Krems werden nie zu verhindern sein. Aber es ist möglich, das Risiko zu reduzieren. Das allein ist Grund genug, nichts unversucht zu lassen.

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