"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ein Lichtblick in der Wirtschaft, aber Sonne scheint noch nicht" (von Hellfried Semler)

Ausgabe vom 14.08.2009

Graz (OTS) - Die Optimisten, die ein Ende der Wirtschaftskrise sehen, werden mehr. Gute Nachrichten aus den Unternehmen scheinen die Einstellung zu rechtfertigen. In den USA, in Deutschland und Frankreich weisen die Volkswirtschaften ein geringes Wachstum aus. Die USA importieren seit elf Monaten wieder mehr Öl, das ist ein Anzeichen, dass die Unternehmen mehr produzieren als in den letzten Monaten. Die deutsche Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal um 0,3 Prozent, Wirtschaftsforscher rufen bereits das Ende der schwersten Rezession in Deutschland seit der weltweiten Depression in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts aus. Auch Frankreich meldet ein Wachstum um 0,3 Prozent. In Österreich hingegen ging die Wirtschaftsleistung im gleichen Zeitraum um 0,4 Prozent zurück.

Jetzt in Jubel auszubrechen ist noch nicht der Zeitpunkt. Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer. Einen Gutteil der positiven Zahlen schreiben die Wirtschaftsforscher den Konjunkturprogrammen der Regierungen zu. Sie greifen zwar, aber die große Frage ist, ob diese durch Steuergelder und hohe Neuverschuldung der Staaten gestützten Ausgaben ausreichend Schwung für die Zukunft generieren konnten.

Ein weiteres Faktum muss man ins Kalkül ziehen. Die Lager in den Unternehmen haben sich während des letzten Jahres trotz niedriger Nachfrage geleert, zur Zeit wird vorwiegend an Hand vorliegender Aufträge bestellt und produziert.

Ein schnelles Wachstum zu erwarten, wäre daher wohl übertrieben. Denn immer noch sind viele Beschäftigte nicht nur in Österreich in Kurzarbeit oder haben, um ihren Arbeitsplatz zu erhalten, andere Arbeitsmodelle in Kauf genommen. Allesamt gehen mit einem Einkommensverlust einher. Wenn die Käufer aus Angst sparen, fließt weniger Geld den Unternehmen zu, die haben dann weniger Einnahmen und müssen Kurzarbeit und Co. ausdehnen. Oder sie kündigen im schlimmsten Fall Personal, füllen frei werdende Arbeitsplätze nicht mehr auf.

Die Arbeitslosigkeit wird weiter steigen, sagen die Wirtschaftsforscher. Das ist eine schwerwiegende Gegenposition zum derzeitigen leichten Auftrieb. Damit die Zahl der Arbeitslosen zurück- geht, sind zwei Prozent Wirtschaftswachstum nötig. Davon sind Europa und die USA weit entfernt. In Asien wächst die Wirtschaft kräftig, aber die Billig-Jobs reichen nicht aus, Schwung zu geben. Doch nach den Horrormeldungen der letzten Monate tut der Optimismus eigentlich ganz gut.****

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