Neues Volksblatt: "Alle gleich" (von Franz Schöffmann)

Ausgabe vom 14. August 2009

Linz (OTS) - Was ist schon schlimm daran, wenn ein Kärntner Landesrat eine Ortstafel verrückt? Wo doch der arme Kerl gar nicht wissen kann, dass er sich damit möglicherweise strafbar macht. Wie soll er denn als ehemaliger Bankbeamter von Gesetzen eine Ahnung haben? Außerdem hat er doch nur in blindem Gehorsam seines Freundes gehandelt. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir wegen jeder Bagatelle strafen müssten, wo doch Strafverfahren nicht wirklich dazu geeignet sind, ein Problem zu lösen!
So - frei übersetzt - sprach die einfühlsame Staatsanwaltschaft im Fall Dörfler. Der eherne Grundsatz "Nichtwissen schützt vor Strafe nicht" gilt nicht mehr.
Also, liebe Autofahrer, wenn Ihr jetzt beim Schnellfahren erwischt werdet: Sagt einfach, Ihr hättet nicht gewusst, dass ihr euch damit möglicherweise strafbar macht. Sagt einfach, Ihr hättet nur im blinden Gehorsam eurer tollen Freunde gehandelt. Sagt, dass Ihr als ehemalige Fußballer von Verkehrsgesetzen keine Ahnung hättet. Sagt, dass Strafen nicht wirklich dazu geeignet seien, ein Problem zu lösen. Wenn das alles nichts nützt: Beharrt darauf, dass die Anzeige zu einem Kärntner Staatsanwalt kommt. Denn vor dem Gesetz sind nämlich alle gleich. Da könnt Ihr sicher sein!

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