Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Lustige Gestalten"

Ausgabe vom 14. August 2009

Wien (OTS) - Der "Kurier" macht’s möglich: "Zocken mit Steuergeld künftig ohne Risiko", verkündete er vor ein paar Tagen über die ganze Breite einer Seite, die sich mutig "Wirtschaft" nennt. Bitte, lieber "Kurier": Könnt ihr uns nicht etwas genauer verraten, wie das "Zocken ohne Risiko" geht? Ich würde sofort mein ganzes Geld so anlegen. Auch wenn das Versprechen noch kühner klingt als einstige Anlegerprospekte diverser Meinl-Firmen.

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Ähnlich lustige Finanzexperten hat der SPÖ-Rathausklub. Dort verkündete ein Herr Siegi Lindenmayr, dass die Beteiligung der Gemeinde Wien am Flughafen Schwechat eine transparente und konservative Veranlagung sowie eine strategische Beteiligung sei. Das amüsiert erstens, weil sich nach der Bank Austria nun auch die Wiener SPÖ mit dem Adjektiv "konservativ" schmückt, das ihr vor kurzem noch das ärgste Schimpfwort war. Das amüsiert zweitens, weil man in etwas "Transparentes" doch auch den Rechnungshof hineinschauen lassen könnte. Und drittens, weil man laut den Wirtschaftslehrbüchern bei einer strategischen Beteiligung einen bestimmenden Einfluss auf die Geschäfte nimmt. Dabei erzählt uns der Bürgermeister dauernd, dass er leider gar keinen Einfluss auf die Dinge rund um den Flughafen hat.

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Aber auch in der deutschen Politik hüpfen lustige Gestalten herum. Die dortige Justizministerin hat doch tatsächlich Gartenzwerge, die den Hitlergruß machen, für strafrechtlich prüfenswert erklärt. Und damit die Justiz ziemlich lächerlich gemacht, denn der Schöpfer der Zwerge meinte feixend: Das Ganze sei doch nur eine "Persiflage". Was in Politik, Kunst und Justiz ist eigentlich nicht Persiflage?

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Nur als Persiflage lassen sich etwa die blau-grünen Grotesken im heimischen Parlament erklären. Streiten die beiden doch ernsthaft darüber, wer was auf einer Toilette vergessen hat.

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Auch das Wiener AKH war kürzlich lustig. Es informierte die Außenwelt, der (nach einem Sturz verletzte) Altkanzler Franz Vranitzky fühle sich im AKH "gut aufgehoben". Das AKH findet es also mitteilenswert, dass sich dort jemand gut aufgehoben fühlt. Ist es vielleicht gar selbst überrascht?

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