"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Lostage für Faymann" (Von Mario Zenhäusern)

Ausgabe vom 8.8.2009

Innsbruck (OTS) - Es hat schon Parteichefs gegeben, die eine
bessere Bilanz vorzulegen hatten, als das Werner Faymann nach einem Jahr tun kann. Dem früheren Darling des Wiener Boulevards weht plötzlich ein eisiger Wind ins Gesicht. Sein berühmtes Kampflächeln gefriert zum Krampflächeln. Faymann hat die österreichische Sozialdemokratie in eine existenzielle Krise geführt. Äußeres Zeichen dafür ist das schlechte Abschneiden der SPÖ bei sämtlichen Wahlgängen in den vergangenen zehn Monaten. Zu denken geben müsste dem Parteichef außerdem das immer lauter werdende Murren an der Basis. Bei den Landesobleuten hat Faymann längst keinen Stein mehr im Brett:
Der Steirer Franz Voves ist einer seiner schärfsten Kritiker, zuletzt verlangte Hannes Gschwentner die Rückkehr zu einer konsequenten Parteilinie. Der Tiroler SP-Chef trifft damit einen wunden Punkt, denn Faymann hat in der SPÖ die Konturlosigkeit zum System erhoben. Im Herbst 2009 stehen Landtagswahlen in Vorarlberg und Oberösterreich auf dem Programm. Das sind Lostage für Faymann. Gelingt es der SPÖ nicht, die Talfahrt in Sachen Wählergunst zu stoppen, schwächt das den Parteichef weiter. Die Umfragen verheißen übrigens nichts Gutes. Eine denkbar ungünstige Ausgangssituation also für die 2010 anstehende "Mutter aller Wahlgänge": die Landtagswahlen in Wien. In der Bundeshauptstadt droht eine wahre Völkerwanderung von Rot zu Blau. Die SPÖ wird alle ihre Kräfte mobilisieren müssen, um das Schlimmste zu verhindern. Einen angeschlagenen Parteichef kann in dieser Situation niemand gebrauchen.

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