"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Dramatische Fehler" (Von Mario Zenhäusern)

Ausgabe vom 7. August 2009

Innsbruck (OTS) - Der Fall Krems führt vor Augen, dass viele Polizisten in Extremsituationen überfordert sind.
War der Waffengebrauch im Supermarkt von Krems richtig oder nicht? Diese Frage stellen sich dieser Tage nicht nur die Ermittler, sondern ganz Österreich. Der Tod des erst 14-jährigen Einbrechers spaltet das Land. Eine endgültige Antwort auf die alles entscheidende Frage gibt es erst nach Abschluss der Ermittlungen. Und das wird dauern. Obwohl die näheren Umstände der Tragödie von Krems noch im Dunkeln liegen, ist klar, dass der Polizeistreife im Supermarkt gravierende Fehler unterlaufen sind. Was die Einsatztaktik ganz allgemein, vor allem aber, was den Waffengebrauch anbelangt. Im Mittelpunkt steht die Verhältnismäßigkeit: Sind die gesetzten Maßnahmen durch den zu erwartenden Erfolg gerechtfertigt? Im Fall Krems wird diese Frage wohl mit einem klaren Nein zu beantworten sein. Der simple Einbruch, bei dem weder von einer Gefahr für Personen noch von einer riesigen Beute auszugehen war, eskalierte erst durch das Einschreiten des Polizisten und seiner Kollegin. Hier kommt die Ausbildung der Exekutive ins Spiel. Die jungen Polizistinnen und Polizisten lernen heute zwar den Umgang mit der Dienstwaffe, Einsatztaktik aber ist für viele noch ein Fremdwort. Die Übungen finden darüber hinaus, wenn überhaupt, unter klinischen Bedingungen statt. Der Alltag schaut anders aus. Hier müssen die Beamten plötzlich unter Stress Entscheidungen treffen, bei denen es mitunter auch um Leben oder Tod gehen kann. Damit sind viele ganz offensichtlich überfordert, wie das Beispiel Krems dramatisch vor Augen führt.

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