WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wer kauft 2010 ein neues Auto? - von Hans-Jörg Bruckberger

Der Staat allein kann den Karren nicht aus dem Dreck ziehen

Wien (OTS) - Über Staatsinterventionen und -hilfen kann man immer diskutieren. Auch über die Details der Verschrottungsprämien, die rund um den Globus die Nachfrage nach Autos anheizen sollen (und dies auch tut). Keineswegs unumstritten ist auch die Art und Weise, wie die US-Regierung mit Steuermilliarden und aller Macht ihren maroden Autokonzernen zur Seite steht. Eine Grundsatzdiskussion darüber, ob der Staat überhaupt eingreifen soll, erübrigt sich in dem Fall allerdings.

Denn hier steht einfach zu viel auf dem Spiel. Der Autosektor ist in den USA, wie auch in Europa, eine Schlüsselindustrie, einer der bedeutendsten Arbeitgeber überhaupt. In Europa hängen 12 Millionen Jobs (rund sechs Prozent der berufstätigen EU 15-Bevölkerung) an dieser Branche. Hat sie Probleme, hat das direkte Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft.

Da stellt sich die Frage, ob der Staat eingreifen soll, nicht. Er muss es ganz einfach. Zum Teil sogar aus schierem Egoismus. Denn allein die Steuereinnahmen rund ums Auto belaufen sich auf 3,5 Prozent des EU 15-BIP. Das sind 381 Milliarden Euro. Dagegen sind ein paar Milliarden Staatshilfen Peanuts.

Vor diesem Hintergrund können wir uns alle freuen, dass der freie Fall beim Absatz zuletzt dank Verschrottungsprämien ein Ende fand. Leider ist die Branche damit aber noch lange nicht aus dem Schneider. Im Gegenteil: Es ist zu befürchten, dass sogar ein böses Erwachen kommt. Wer wird 2010 noch ein Auto kaufen? Ganz klar kommt es längst zu Vorziehkäufen, ähnlich wie das seinerzeit in Deutschland im Vorfeld der Mehrwertsteuererhöhung war. Viele, die irgendwann ohnehin ein neues Auto gebraucht hätten, nützen nun die Vergünstigungen und schlagen zu.

Sorgen muss man sich vor allem ums Kleinwagengeschäft, das dank der Prämien boomt. Diese Autos haben heuer in Europa bereits einen Rekordmarktanteil von 45 Prozent erreicht. Ohne Kaufanreize droht bald ein böser Einbruch. Dies, zumal die Wirtschaft kaum eine rasante Aufholjagd machen wird und die Arbeitslosenzahlen eher schlechter werden.

Der Staat allein kann's also leider nicht richten. Am Ende müssen die Gesetze des Marktes wirken, Angebot und (echte) Nachfrage im Einklang stehen. Bis dahin müssen die Hersteller, so weh das tut, für ihre teils massive Überproduktion der vergangenen Jahre bluten.

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