"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Fußball als Sozial-Kelomat" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 3. August 2009

INNSBRUCK (OTS) - Wacker kämpft seit Jahren mit Hooligans. Darunter leidet nicht nur der Verein, sondern auch das Fan-Image.

Eigentlich ist es ein soziales Drama, das sich Jahr für Jahr abseits des Rasens abspielt. In regelmäßigen Abständen brennen bei einigen Wacker-Innsbruck-Fans die Sicherungen durch. Und der Reflex ist meist derselbe. Schuld sind immer die anderen. Die Polizei, die mit unverhältnismäßigen Maßnahmen vorgeht, die Ordner, die nicht psychologisch geschult sind, die Medien, die alles aufbauschen und, und, und?... Einige Täter schlüpfen nach der Tat am liebsten in die Opferrolle. Ein Reflex, der jedoch nicht mehr funktioniert. Wie ein roter Faden ziehen sich die Ausraster einiger so genannter Fans durch die schwarz-grüne Vereinsgeschichte. Sie tauchen vorerst mit allen anderen Anhängern in einen riesigen Sozial-Kelomat von Emotionen, Tragödien, Hochs und Tiefs ein. Natürlich braucht es dann zur Abkühlung wieder die soziale Vernunft, die manche jedoch nicht haben oder einfach nicht haben wollen. Sie explodieren und lassen Dampf ab - ob in Ried, Altach oder Salzburg. Bisher gab es kaum ein Entrinnen aus diesem Teufelskreis, weil sich die Täter eben zu Opfern stilisierten. Deshalb benötigt es immer noch mehr Polizei, noch mehr Ordner und noch höhere Sicherheitsstufen bei Fußballspielen. Der Ball rollt da auf einer schiefen Ebene und Wacker Innsbruck muss wieder einmal tief in die Vereinskasse greifen. Natürlich leidet auch das Image der Mehrheit der Wacker-Fans unter den gewalttätigen Auswüchsen einer Minderheit. Was letztlich bleibt, ist eine Nachspielzeit mit voller Härte: Stadionverbot und Platzverweis für einige, für die Fußball nur das willkommene Ventil für ihre Aggressionen ist.

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