Über 3,5 Mio. ärztliche Hausbesuche jährlich

Ärztekammer: Pro Hausarzt 850 Patienten - Spitalsentlastung und sozialmedizinische Funktion - Entwicklungsbedarf im Kassensystem

Wien (OTS) - Die österreichischen Hausärztinnen und -ärzte machen jährlich über 3,5 Millionen Hausbesuche. Damit werde unterstrichen, dass die hausärztliche Versorgung eine herausragende medizinische Nahversorgungsqualität habe und die Spitäler entlaste, sagte der Bundesobmann Niedergelassene Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Günther Wawrowsky, am Sonntag in einer Aussendung. Allerdings ortet er einen Entwicklungsbedarf im Kassensystem, um gerade diese Aufgaben der Hausärzte zu sichern und auszubauen.

Der "durchschnittliche" Hausarzt besucht seine Patientinnen und Patienten 850 Mal. "Wir scheuen den Weg zu den Patienten nicht und bringen ärztliches Service, medizinische Hilfe und auch Lebensqualität in die eigenen vier Wände", so Wawrowsky. Gerade auf dem Land seien die Hausbesuche für die ältere Bevölkerung unerlässlich.

Die Hausärzte seien ein wesentliches Stück Infrastruktur in entlegenen Gebieten, erläuterte Jörg Pruckner, Obmann der Sektion Allgemeinmedizin der ÖÄK. Habe der Arzt auch eine Hausapotheke, so könne er seinen Patienten die benötigten Medikamente direkt beim Besuch übergeben. Pruckner: "Dies ist ein wesentlicher Vorteil für kranke oder alte Menschen sowie für Mütter mit kleinen Kindern." Darüber hinaus erfüllten die Hausärzte mit ihren regelmäßigen Hausbesuchen für die ältere Bevölkerung eine sozialmedizinische Funktion. "Patienten in ihrem vertrauten Umfeld belassen zu können, ist ein großer psychologischer Gewinn, weshalb die Genesung in den eigenen vier Wänden oft rascher geht", so Pruckner.

Darüber hinaus könnten durch Hausbesuche andere Gesundheitseinrichtungen, wie die Spitäler, entlastet werden. Die immer früheren Spitalsentlassungen wären ohne das Auffangbecken der Ordinationen und die ärztlichen Hausbesuche nicht möglich. Viele Patienten seien nach der Entlassung noch nicht mobil und benötigten ärztliche Betreuung zu Hause oder in Pflegeheimen. Die medizinische Nachbetreuung stationärer Behandlungen werde an den Hausarzt ausgelagert, sagte Pruckner.

In diesem Zusammenhang urgiert der Sektionsobmann die kassenrechtliche Aufwertung der spitalsentlastenden hausärztlichen Tätigkeit. Die geltenden Regelungen würden den quantitativen und qualitativen Ansprüchen der Hausbesuche und der medizinischen Hauskrankenbehandlung nicht gerecht. Pruckner: "Hausbesuche sind zeitaufwendig und inhaltlich sehr intensiv. Dies betrifft Arztbesuche bei einzelnen Patienten ebenso wie Besuche in Pflegeheimen. Die Ärztinnen und Ärzte verbringen oft Stunden vor Ort, die medizinische Tätigkeit am Patienten wird schwieriger, die Koordination mit dem Pflegepersonal aufwendiger."

Der Ausbau wohnortnaher ärztlicher Strukturen sei in Zeiten knapper Kassen mehr als überfällig. "Sonst landen wir in einem Dilemma. Denn bei steigenden Erkrankungsraten wird sich der Anteil der älteren Bevölkerung ab 65 bis 2050 fast verdoppeln. Die Kassen müssen in Zukunft bereit sein, einen Teil der Einsparungen auch zu reinvestieren - in bessere wohnortnahe Leistungen", so Pruckner abschließend. (jg)

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