"Die Presse" - Leitartikel: AUA gerettet - Chaos de luxe auf dem Flughafen, von Hedi Schneid

Ausgabe vom 31.07.2009

Wien (OTS) - Die Pleite der AUA ist abgewendet. Dafür steht mit
dem Wiener Flughafen das nächste Problem vor der Tür.

Die Erschütterung dürfte im ganzen Land spürbar sein. Nein, Österreich ist nicht von einem neuerlichen Hagelgewitter heimgesucht worden. Vielmehr dürfte angesichts der Nachricht, dass die EU-Kommission die Übernahme der AUA durch die Lufthansa genehmigt, den Regierenden ebenso wie dem AUA-Vorstand ein riesiger Stein vom Herzen gefallen sein. Und auch die Banken, die die heimische Fluglinie mit Krediten über Wasser gehalten haben, dürften aufatmen. Die AUA bleibt die AUA - zumindest die Schwanzflosse bleibt rot-weiß-rot. Patriotenherz, was willst du mehr? Dass die Kommandos jetzt aus Frankfurt kommen, werden angesichts der sündteuren Alternative einer Bombenpleite auch hartnäckige Anhänger des "Alleingangs" verschmerzen.
Keine Entspannung kann es jedoch auf dem Wiener Flughafen geben. Sicher, auch dort, gegenüber der AUA-Zentrale, wurde das Geschehen rund um den "Home-Carrier" mit Argusaugen beobachtet. Erstens hat der Flughafen jahrelang blendend an der AUA verdient, zweitens hätte eine Insolvenz und die damit verbundene Verkleinerung der Fluglinie drastische Auswirkungen gehabt. Vielleicht hat sich das Vorstandstrio mit Herbert Kaufmann an der Spitze in den vergangenen Monaten auch aus anderen Gründen auf die AUA konzentriert. Die Sorgen der anderen lenken bekanntlich fein von den eigenen ab.
Jetzt gibt es aber keine Ausreden mehr. Denn das größte Problem hat der Flughafen noch nicht einmal in Ansätzen gelöst. Im Gegenteil: Der neue Terminal Skylink, bei dem Kosten und Zeitplan völlig aus dem Ruder gelaufen sind, droht endgültig im Chaos zu versinken. Ernest Gabmann, einst rechte Hand von Niederösterreichs Landesfürsten Erwin Pröll (ÖVP) und seit Februar neuer Finanzvorstand auf dem Flughafen, hat sich offenbar vorgenommen, rasch mit dem Vorurteil aufzuräumen, er wäre als "Zudecker" böser Machenschaften von Korruption bis Parteienfinanzierung geschickt worden. Gabmann gefällt sich vielmehr in der Rolle als Aufräumer. Dass hinter mancher Aktion persönliche Interessen stehen könnten, etwa den "roten" Kaufmann abzulösen, wer kann das dem einstigen ÖVP-Landesrat verdenken?
Ein Baustopp, wie er kürzlich von Gabmann verhängt wurde, klingt auch gut. "Endlich passiert etwas." Fragt sich nur, was. Der Plan, die Verträge mit allen am Bau beteiligten Firmen mittels des Baustopps auszuhebeln und neu (= günstiger) auszuhandeln, dürfte nicht zum gewünschten Ziel führen. Statt die Kostenexplosion einzudämmen, droht sich das Schlamassel noch zu vergrößern. "Verträge können nicht einseitig aufgelöst werden, und selbst wenn es Ausstiegsklauseln gibt, dann verliert der Flughafen alle Gewährleistungsansprüche", warnt Michael Hecht.
Und weiter: "Bereits geschlossene Verträge können nicht neu verhandelt werden, wenn wesentliche Punkte verändert werden." Hecht muss es wissen: Der Jurist ist Spezialist für Vergaberecht und war in fast alle Infrastrukturgroßprojekte eingebunden. Nicht nur Hecht, auch andere Juristen sind der Meinung: "Alle Aufträge müssen EU-weit ausgeschrieben werden."
Das verspricht wenig Entspannung an der Kostenfront. Statt die Kosten zu drücken, dürften sie vielmehr weitersteigen. Eine Glanzleistung.

Fehlplanung, Missmanagement und vor allem Dilettantismus scheinen bisher beim Skylink dominiert zu haben. Gabmann mag ja sein Bestes geben, aber was in Niederösterreich funktioniert, muss noch lange nicht bei einem Großprojekt von internationalem Format gelingen. Umso mehr wäre es an der Zeit, Profis ans Werk zulassen. Das betrifft nicht nur das Engagement eines Generalunternehmers, unter dessen Ägide die Chancen für die Fertigstellung des Skylink ungleich höher wären. Die hohen Kosten (da hat Gabmann recht) würden sich locker rechnen.
Profis braucht es aber auch, um das ganze Ausmaß des Debakels aufzuklären. Auch da hat sich die Flughafenspitze in seltener Einigkeit bisher nicht mit Ruhm bekleckert. Statt dem Rechnungshof die Bücher zu öffnen, wurde er kurzerhand ausgesperrt. Auch wenn es dafür juristische Gründe gibt - ein Signal in Richtung Transparenz war das nicht. Zumal die aktienrechtliche Sonderprüfung, die nun Licht ins Dunkel bringen soll, zwei gravierende Haken hat: Der Flughafen sucht sich den Prüfer selbst aus. Und er muss auch die Kosten selbst tragen. Ein Schelm, wer da denkt, dass eine läppische Million für das Gutachten bei - bisher - geschätzten Gesamtkosten von knapp 900 Millionen "eh schon wurscht" ist.

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