OFFENER BRIEF

Wien (OTS) - Sehr geehrter Herr Strobl, lieber Pius,

als der auch für Dich zuständige Betriebsrat bin ich aufgrund des heutigen Falter-Artikels "Es bröckelt das Gemäuer der Medienburg" ein Zerrissener:

Soll ich einen einzelnen Arbeitnehmer schützen (u.a. vor der sengenden Sonne) oder die vielen Arbeitnehmer/-innen - nicht nur der Generaldirektion, sondern alle, die am Küniglberg arbeiten - (u.a. vor den imageschädigenden Aussagen eines Unternehmenssprechers). Als Betriebsrat und als Stiftungsrat finde ich Deine Aussagen mehr als entbehrlich.

Möglicherweise hattest Du seinerzeit als Polizist, Gastwirt, Immobilienhändler, Event-Veranstalter weniger unter der sommerlichen Hitze (aber ganz sicher nicht unter einer angeblich nicht regulierbaren Klimaanlage) zu leiden.

Möglicherweise waren die Büros während Deiner politischen Tätigkeit als grüner Parteisekretär nicht vom Licht der Sonne durchflutet. Möglicherweise führen die von Dir so empfundenen Arbeitsumstände zu dem Bild, das Du nach außen hin kommunizierst. Zugegebenermaßen lässt es sich an den Gestaden des Wörthersees besser den Sommer verbringen als in einem Büro. Es ist aber unerträglich, dass Du in Deinem (langjährigen) Bestreben, den Küniglberg madig zu machen, zu solchen Formulierungen greifst.
Sanierungskosten einfach zu schätzen - und sie wahrscheinlich bewusst zu über schätzen - zeugt ebenso wenig von fachlicher Kompetenz als der Umstand, dass es bis heute noch keine vergleichbaren und ernst zu nehmenden Kostenvoranschläge für den von Dir so ersehnten Neubau vs. Sanierung des ORF-Zentrums gibt.

Ganz abgesehen davon, wie viel Geld in den Sand gesetzt würde, wenn die drei Standorte Zentrum, Argentinierstraße und Heiligenstadt zusammengelegt würden (man ließe u.a. einen neu errichteten HD-Regieplatz und ein frisch renoviertes FM-4 Studio einfach sausen...) sind dann zwangsläufig folgende Aussagen wie jene von Gustav Peichl (ORF-Geschäftsführung ist unprofessionell: "Wrabetz ist nicht in der Lage, ein Konzept aufzustellen, das ein Raum- und Funktionsprogramm für die ORF-Zentrale formuliert.") für den ORF nicht förderlich.
Es ist berührend, wie sehr Dir die ORF-Journalisten ein Anliegen sind. Sie aus der Medienfestung zu befreien und ihnen wieder Bodenhaftung im Schlachthof zu St. Marx zu geben scheint mir aber nicht notwendig. Weder waren und sind sie in einer Festung eingekerkert noch haben sie (im Gegensatz zu anderen Mitarbeitern) die Bodenhaftung verloren.

Der FALTER kann sich jedenfalls für diese Story bedanken: Wieder einmal konnte man den ORF (in der Einleitung) anpatzen. Und man kann sich auch über (gezählte) sieben ORF-Anzeigen freuen...

Und die ORF-Mitarbeiter/-innen können sich bei ihrem Unternehmenssprecher bedanken, der wieder einmal ein imageförderndes Schäuflein nachgelegt hat.

Prof. Heinz Fiedler
Betriebsratsobmann, Mitglied des Zentralbetriebsrats und des Stiftungsrats
stv. Vorsitzender der Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe

cc. alle ORF-Mitarbeiter

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Prof. Heinz Fiedler, ORF, Betriebsrat Generaldirektion
Tel.: 01/ 87878/12333

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