"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Kettensäge als Konfliktlöser" (Von MARIO ZENHÄUSERN)

Ausgabe vom 30. Juli 2009

Innsbruck (OTS) - Der Vomper Baum-Streit ist derzeit Tagesgespräch in Tirol. Der Feuerwehrkommandant des Ortes hat im Garten seiner Nachbarn zwei Birken gefällt, weil die ihn gestört haben. Die Reaktionen sind vielfältig, reichen von einem leisen Schmunzeln über das außergewöhnliche Ende eines offensichtlich erbittert geführten Konflikts zwischen Grundstücksnachbarn bis zur Entrüstung über den eklatanten Eingriff in fremdes Eigentum.

In gewissem Maße salonfähig gemacht hat diese Art der Konfliktlösung mit der Kettensäge Ferdinand Eberle. Der ehemalige Landespolitiker löste im Vorjahr ein Wahlversprechen ein und fällte einen Baum, der einer Frau zu viel Schatten spendete. Weil die gefällte Fichte der Marktgemeinde Reutte gehörte, deren Vertreter über die Nacht-und-Nebel-Aktion gar nicht lachen konnten, wurde Eberle zur Rechenschaft gezogen.

Das Fällen eines Baumes in Nachbars Garten ist nämlich alles andere als ein Kavaliersdelikt. Das Gegenteil ist der Fall: Die Aktion in Reutte und der jüngste Vorfall in Vomp sind nichts anderes als Sachbeschädigungen, bei denen sich die Täter auf eine Stufe mit Vandalen stellen, die das Eigentum anderer vorsätzlich und mutwillig beschädigen. Wenn es Schule macht, dass in Tirol jeder nach Belieben Bäume umschneidet, nur weil sie ihm zu viel Schatten spenden oder sonst irgendwie im Weg stehen, dann gute Nacht!

Mit Zivilcourage hat die Tat des Vomper Feuerwehrkommandanten auch nichts zu tun. Vielmehr stellt sie einen Akt der Selbstjustiz dar -und die hat in einem Rechtsstaat nichts verloren.

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