WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wir haben unsere Lektion aus 1929 gelernt - von Herbert Geyer

Offene Grenzen zahlen sich auch in der Krise aus

Wien (OTS) - Ich wollte nicht der Fed-Chef sein, der die zweite große Depression verwaltet", verteidigte US-Bundesbanker Ben Bernanke in einer Talkshow die gewaltigen Geldmittel, die sein Institut vergangenen Herbst in amerikanische Banken pumpte.

Die große Depression von 1929 mit ihren unmittelbaren und mittelbaren Folgen - weltweite Wirtschaftskrise, Vervielfältigung der Arbeitslosenzahlen, Zusammenbruch der Demokratie in den meisten europäischen Staaten, Zweiter Weltkrieg - ist das Schreckgespenst, das alle Wirtschaftspolitiker rund um den Globus in der aktuellen Krise antreibt. Und - soweit sich das schon jetzt sagen lässt - wir haben aus den Fehlern von 1929 gelernt.

Zunächst einmal rein vom wirtschaftspolitischen Werkzeugkoffer her:
Damals reagierten die Regierung auf die krisenbedingt steigenden Budgetdefizite mit Sparpaketen, kürzten Sozialausgaben, Investitionen und andere Staatsausgaben - und vertieften so die Krise. Jetzt setzen alle Länder - bis auf die, denen der Internationale Währungsfonds (IWF) als Gegenleistung für Kredite die Daumenschrauben ansetzt - auf eine expansive Budgetpolitik, um den Absturz der Wirtschaft zumindest zu bremsen.

Vor allem aber agierten die Staaten damals nach dem Floriani-Prinzip ("Verschon mein Haus, zünds andere an"): Jeder zurrte die Grenzbalken noch ein bisschen fester, reduzierte die Importe und kontrollierte die Kapitalflüsse ins Ausland noch ein wenig strenger, um die Krise möglichst an den Staatsgrenzen enden zu lassen.

Die Krise von 2008 ff. wird hingegen im internationalen Gleichklang bekämpft. Natürlich gibt es kleinere Versuche, Maßnahmen zur Krisenbekämpfung auf die eigenen Staatsbürger zu beschränken, im Großen und Ganzen werden die internationalen Regeln für Freihandel und freien Kapitalverkehr aber eingehalten.

Und es zahlt sich aus: Wie das Wifo im Auftrag des Wirtschaftsministeriums ausgerechnet hat, profitiert die österreichische Wirtschaft von ausländischen (vor allem deutschen) Krisenpaketen fast so stark wie von den Maßnahmen der eigenen Bundesregierung. Insgesamt ist der Erfolg der internationalen Stützungsmaßnahmen auf die österreichische Konjunktur größer als die Kosten, die sie den österreichischen Steuerzahlern verursachen - und das, obwohl Österreich sicher eines jener Länder ist, die relativ große Pakete zur Konjunkturstützung geschnürt haben. Wüssten wir nicht längst, dass Europa jedem Einzelnen nützt - jetzt hätten wir es schwarz auf weiß.

Das Ganze ist eben mehr als die Summe seiner Teile.

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