Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Bitte um gute Ratschläge"

Ausgabe vom 30. Juli 2009

Wien (OTS) - Es ist erfreulich, dass die Regierung nun internationale Experten wie den Nationalbank- und Rechnungshof-Präsidenten fragt, wie sie ihr Geldmanagement künftig verbessern kann. Hoffentlich stellt sie ihnen aber auch die richtigen Fragen.

So wäre es spannend, von Ewald Nowotny zu hören, inwieweit sich die offenbar bösen Veranlagungen des Finanzministeriums von den offenbar guten Veranlagungen der Bawag während seiner dortigen Amtszeit unterscheiden. Und wieso die Bank trotzdem wieder in arge Kalamitäten geraten ist.

Josef Moser sollte das offenbar umfassende und alle Ratingagenturen übertreffende Finanzwissen des Rechnungshofs endlich einmal rechtzeitig zur Verfügung stellen und nicht immer erst im Nachhinein. Er will doch sicher nicht mit den Millionen österreichischen Fußballfans verglichen werden, die nach jedem Spiel bis ins Detail wissen, wie es hätte gewonnen werden können. Was sie nur dem Trainer leider nie rechtzeitig mitgeteilt haben.

Nowotny und Moser könnten ferner erläutern, ob sie so wie die SPÖ-Spitze keinen Unterschied zwischen einer Veranlagung mit bestem Rating (=relativ geringsten Risikoerwartungen) und einem Besuch im Casino kennen. Man sollte aber auch die bekannte Finanzexpertin Laura Rudas beiziehen, die uns etwa erklären könnte, ob sich ihr kühner Satz "Der Spekulation mit öffentlichen Mitteln muss eine Absage erklärt werden" auch auf Wien und andere SPÖ-geführte Bundesländer oder nur auf ÖVP-geführte Bereiche bezieht; und ob sie eine einzige wirklich spekulationsfreie Geldanlage kennt.

Auch die anderen Politiker diversester Couleur sowie die vielen Journalisten, die derzeit von Spekulation wie von einem Megaverbrechen reden, sollten uns diese Frage endlich beantworten. Und uns sodann mitteilen, wo Staat, Länder und Gemeinden künftig all das Geld herbekommen sollen, das sie in der Summe der Jahre mit Veranlagungen (=Spekulationen) verdient haben. Und ob sie das Risiko selber besser bewerten könnten als Rating-Agenturen. Was ja wirklich super wäre.

Für ein Eckerl all dieser Weisheiten wäre nicht zuletzt der Tagebuchautor dankbar, der 2008 einen guten Teil seiner Altersvorsorge verloren hat. Dass sich diese heuer und in früheren Jahren übrigens zum Glück im Gegenzug auch ganz nett vermehrt hat, ignoriert er natürlich. So wie es ja auch die derzeit allgegenwärtigen "Experten" tun.

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