Verheerende Lage in den Flüchtlingslagern auf Sri Lanka

Tamilischen Binnenflüchtlingen fehlt es an Nahrungsmitteln, sauberem Wasser und medizinischer Versorgung - Diakonie bittet um Spenden

Wien-Colombo, 29.07.2009 (KAP) Auf die verheerende Notlage der Menschen in den Tamilen-Flüchtlingslagern auf Sri Lanka macht die Katastrophenhilfe der evangelischen Diakonie aufmerksam. Der Bürgerkrieg zwischen den LTTE-Rebellen und Regierungstruppen ist zwar seit Ende Mai offiziell beendet, in den Camps im Norden der südasiatischen Insel sind aber nach wie vor fast 300.000 Zivilpersonen untergebracht, die während der letzten Kriegsmonate aus ihren Heimatorten in der Vanni-Region vertrieben wurden. Die Menschen leben in Wellblechhütten, es fehlt ihnen an Nahrungsmitteln, sauberem Wasser, medizinischer Versorgung und Hygiene.

Alleine im Camp "Manik Farm" im Distrikt Vavuniya leben 230.000 Flüchtlinge. Die Situation in den Lagern sei "unerträglich", berichtete ein srilankischer Helfer einer Diakonie-Partnerorganisation in dem größten Flüchtlingslager des Landes am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Wien. "Immer seltener treffen Lieferungen mit Hilfsgütern ein. Die Kapazitäten der verbleibenden Hilfsorganisationen können den Bedarf nicht decken. Besonders Kinder und Schwangere leiden massiv unter diesen schrecklichen Bedingungen".

Die internationalen Hilfsorganisationen haben nur beschränkten Zugang zu den staatlichen Flüchtlingslagern und unterliegen Restriktionen der Regierung. Hilfe zur Abdeckung der Grundbedürfnisse der Menschen ist aber durch die Kooperation mit nationalen Hilfsorganisationen möglich.

Konkret stellt die Diakonie mit Unterstützung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit auf diesem Weg Lebensmittelpakte für unterernährte Kinder, Schwangere und kranke Menschen zur Verfügung und baut in einem der Teilcamps große Wassertanks, um den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu erleichtern. Zudem sollen Sanitäranlagen für rund 3.000 Menschen errichtet werden. Gerade für Frauen und Mädchen stellt der Mangel an Sanitäranlagen nicht nur ein hygienisches sondern auch ein Sicherheitsproblem in den Lagern dar.

Rückkehr schwierig

"Wir gehen davon aus, dass diese furchtbare Situation in den Camps noch bis Ende 2010 anhalten wird", sagt Michael Bubik, Geschäftsführer der Diakonie Katastrophenhilfe. Die Regierung hat zwar mit einem Wiederbesiedelungsprogramm für die Tamilen-Flüchtlinge begonnen. Dabei sollen bis Ende 2009 mehr als 100.000 und im Jahr 2010 weitere 120.000 Flüchtlinge wieder ihre Heimatdörfer zurückkehren. Zuvor müssen die bewohnbaren Gebiete aber von Minen befreit werden, da im gesamten Norden des Inselstaats infolge der jahrelangen Kämpfe unzählige Landminen gelegt worden sind. Dafür, genauso wie für den Wiederaufbau der Infrastruktur hat die Regierung aber zu wenige Mittel. Bubik: "Die Straßen sind kaputt, die Häuser sind kaputt, die Menschen werden nichts vorfinden, was ein normales Leben ermöglicht - sie kehren in den Dschungel zurück".

Hoffen auf Versöhnung nach dem Bürgerkrieg

Der Bürgerkrieg in Sri Lanka endete im Mai mit dem militärischen Sieg der Regierungstruppen über die Rebellenarmee der "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE), die seit 1983 für einen eigenen Staat der tamilischen Minderheit in Sri Lanka gekämpft hatte. Insgesamt sollen bei den Kämpfen in den vergangenen 26 Jahren 80.000 bis 100.000 Menschen getötet worden sein. Allein während der letzten Regierungsoffensive zwischen Ende Jänner und Mai 2009 kamen nach UN-Angaben mindestens 7.000 Zivilpersonen ums Leben.

Zwar sind die Kämpfe sind derzeit eingestellt; der Großteil der nördlichen Gebiete Sri Lankas ist aber aus Angst vor den Rebellen militärisch abgesperrt und der Konflikt zwischen der buddhistischen Mehrheitsbevölkerung der Singhalesen und der hinduistischen Minderheit der Tamilen schwelt weiter.

Für den Wunsch nach einer friedliche Zukunft auf Sri Lanka könne man "vorsichtig hoffnungsvoll" sein, meint Michael Bubik: "Aber es wird sehr davon abhängen, wie gut es der Regierung gelingt, Minderheitenrechte auch tatsächlich in die Praxis umzusetzen, so dass der Großteil der Minderheit glaubt, damit gut leben zu können.

Alle Kräfte, so der Diakonie Katastrophenhilfe-Chef, müssten jetzt in den Wiederaufbau gehen. "Bevor die Menschen keine halbwegs normalen Lebensbedingungen haben, ist an eine Versöhnung nicht zu denken". (Spendenkonto: Diakonie Katastrophenhilfe, PSK 23.13.300, BLZ 60.000, Kennwort "Sri Lanka").

O-Töne von Michael Bubik sind unter www.katholisch.at/o-toene abrufbar.

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