"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Gefährliches Spiel von Graf" (Von Mario ZENHÄUSERN)

Ausgabe vom 27. Juli 2009

Innsbruck (OTS) - Die politische Zündelei in Südtirol zeigt, dass Martin Graf als Dritter Nationalratspräsident untragbar ist.
Martin Graf provoziert wieder einmal. Wenn der Dritte Nationalratspräsident vorschlägt, die Südtiroler in einer Volksabstimmung über die Rückkehr zu Österreich zu befragen, dann macht er das ganz bewusst. Es geht ihm nur um die Provokation, darum, mit seinen abstrusen Ideen eine Debatte auszulösen. Zumindest das ist ihm gelungen.
In der Sache selbst aber liegt das selbst ernannte "Aushängeschild das rechten akademischen Lagers", immerhin einer der ranghöchsten Repräsentanten der Republik Österreich, weit daneben. Graf verkennt nämlich vollkommen, dass die große Mehrheit der Tiroler dies- und jenseits des Brenners diese rückwärts gewandte Politik längst ablehnt. Die langsam, aber stetig zusammenwachsende Europaregion, der wirtschaftliche Aufschwung und die gesellschaftlich-kulturellen Kooperationen zwischen Innsbruck und Bozen haben die Gedanken von der Unrechtsgrenze in den meisten Köpfen verdrängt.
Derzeit spricht sich eine Mehrheit der Südtiroler klar für einen Verbleib bei Italien aus. Das hängt in erster Linie mit der Autonomie zusammen, die Italien den Südtirolern gewährt. Genau die wird in Rom derzeit immer öfter diskutiert, wie die Südtirol-Beobachter unter den österreichischen Politikern besorgt feststellen. Deshalb erweist Graf den Südtirolern einen Bärendienst, wenn er just in einer derart heiklen Situation über "ein Tirol" fantasiert. Er muss wissen, dass er damit nicht nur in der Heimat provoziert, sondern auch in Rom. Die gefährliche politische Zündelei zeigt einmal mehr, dass Martin Graf als Dritter Nationalratspräsident längst nicht mehr tragbar ist.

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