"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Ein erregendes Sommertheater" (Von MANFRED MITTERWACHAUER)

Ausgabe vom 18. Juli 2009

Innsbruck (OTS) - Das Tiroler Sommerloch ist da und mit ihm auch
das gleichnamige Theater. Dieses Mal ist es Jugendanwältin Elisabeth Harasser, die sich an Sacha Baron Cohen, alias "Brüno", einem homosexuellen Modejournalisten, stößt. Oder besser gesagt: an jenen sexuell ein- und zweideutigen Filmszenen, die Harasser gerne 14-jährigen TirolerInnen ersparen will. Die Jugendmedienkommission hat "Brüno" ab 14 Jahren freigegeben.
Zur Harasser?schen Erregung sei Folgendes angemerkt. Erstens: Guten Morgen, Frau Jugendanwältin! Der angeblich mit dem Tiroler Jugendschutzgesetz nicht in Einklang zu bringende Streifen läuft seit Wochen in den heimischen Kinos. Wenn schon, dann kam der warnende Zeigefinger eines: zu spät. Zeit zum Handeln hätte Harasser genug gehabt.
Doch abseits davon: Auch die von Harasser geforderte Altersanhebung brächte der Jugend nicht mehr Schutz. Die sittliche, charakterliche und soziale Entwicklung unserer Kinder ist heutzutage doch wohl mehr durch einen allzu ungehinderten 24-Stunden-Zugang zu TV und Internet als durch eine überspitzte 83-Minuten-Satire in Gefahr. Harasser würde hier allein ein Blick ins nachmittägliche Fernsehprogramm genügen. Und da, wo Kontrolle fehlt, hilft auch kein Alterslimit. Die heimischen Lichtspieltheater bilden hier keine Ausnahme.
Und wieso ist es wieder nur das Sexuelle, das die Kinderschützer erzürnt? Wo bleiben die Aufschreie, wenn es um gewaltverherrlichende (Film-)Szenen und (Lied-)Texte geht? Antworten, die Harasser bislang schuldig bleibt. Unterm Strich steht somit eine ungewollt perfekte Werbung für einen nicht unbedingt preisverdächtigen Film. Na bravo.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001