StR Ludwig/TÜV AUSTRIA: Bilanz der Wiener Aufzugsnachrüstung

Aktuelle Zahlen und Fakten zur Nachrüstung und zur Sicherheit von Personenaufzügen

Wien (OTS) - In Wien gibt es insgesamt mehr als 34.000 Personenaufzüge, die meisten davon wurden bereits auf den aktuellen, gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsstandard gebracht und mit Fahrkorbtüren ausgestattet. Dennoch gibt es noch rund 5.000 Lifte, bei denen eine Nachrüstung erforderlich ist. Das Neue Wiener Aufzugsgesetz schreibt vor, dass alle Wiener Personenaufzüge bis März 2012, allerspätestens aber bis März 2013, mit Fahrkorbtüren ausgestattet sein müssen.****

Während die Aufzüge im Bereich der Stadt Wien - Wiener Wohnen zügig nachgerüstet werden, ist im privaten Bereich ein Rückgang zu verzeichnen. Da die Aufzugsfirmen nicht über die Ressourcen verfügen, einen last-minute-Ansturm vor dem Ablauf der gesetzlichen Frist zu bewältigen, droht - so die betroffenen Aufzugsbetreiber nicht rasch entsprechende Maßnahmen einleiten - ein Engpass. Heute, Mittwoch, präsentierte Wohnbaustadtrat Vizebürgermeister Dr. Michael Ludwig gemeinsam mit TÜV AUSTRIA Vorstandsvorsitzendem Dipl.-Ing. Dr. Hugo Eberhardt und Ing. Anton Marschall, Geschäftsbereichsleiter Aufzugstechnik TÜV AUSTRIA, die aktuelle Wiener Aufzugsnachrüstungs-und Aufzugssicherheitsbilanz.

Durch das Wiener Aufzugsgesetz (WAZG), das am 23. März 2007 in Kraft trat, wurde ein Zweistufen-Plan zur Erhöhung der Benutzungssicherheit von Aufzügen vorgeschrieben: Im ersten Schritt mussten Personenaufzüge - innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten des Gesetzes - auf das Vorhandensein von Gefährdungssituationen mit höherem Sicherheitsrisiko, vor allem fehlende Fahrkorbtüren, überprüft werden. Für dabei festgestellte Mängel gilt eine Nachrüstungspflicht von fünf Jahren; bei unmittelbarer Gefahr musste die Anlage gesperrt werden. Über die Prüfung durch den Aufzugsprüfer hinaus ist als zweiter Schritt vom Aufzugsbetreiber eine umfassende Sicherheitsprüfung durch eine akkreditierte Prüfstelle für Aufzüge durchführen zu lassen. Diese detaillierte Sicherheitsprüfung muss je nach Baujahr des Aufzuges bis spätestens Ende 2012 abgeschlossen sein.

Die gemeinsame Bilanz von Stadt Wien und TÜV AUSTRIA zeigt, dass die gesetzten Maßnahmen bereits deutliche Verbesserungen gebracht haben. Vergleicht man das Jahr 2003 mit rund 12.400 Personenaufzügen ohne Fahrkorbtüre mit der Prognose für 2009 von knapp 5.000 Personenaufzügen ohne Fahrkorbtüre, so wurden alleine in den letzten sechs Jahren mehr als 7.400 Aufzüge mit Fahrkorbtüren nachgerüstet, davon allein rund 2.200 in Wiener Gemeindebauten, die fast ein Viertel des gesamten Wiener Wohnungsbestandes ausmachen. Dabei ist festzuhalten, dass bei diesen Nachrüstungen auch andere Risikofaktoren wie Anhalteungenauigkeit und unzulängliche Notrufeinrichtungen in gleichem Ausmaß behoben wurden.

"Aufzüge sind aus dem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken, sie bieten Komfort und sind vor allem für Wienerinnen und Wiener, die gesundheitliche Beeinträchtigungen haben, sehr wichtig. Deshalb unterstützt die Stadt Wien nicht nur im Rahmen von geförderten Sanierungen die Errichtung von Aufzügen und fördert behindertengerechte Maßnahmen, wie etwa den Einbau von Treppenliften, sondern greift auch Aufzugsbetreibern bei der Nachrüstung von Aufzügen, so es notwendig ist, finanziell unter die Arme. Die Aufzugsnachrüstungen in den Wiener Gemeindebauten sind - wie auch die jüngste Bilanz des TÜV AUSTRIA zeigt - sehr gut im Plan und werden das Ziel, alle Aufzüge auf modernen Sicherheitsstandard zu bringen, bis zum Ablauf der gesetzlichen Frist erreichen. Den Gemeindemieterinnen und -mietern entstehen durch die Nachrüstungen der Aufzüge keinerlei Kosten", erklärte Wohnbaustadtrat Vizebürgermeister Michael Ludwig im Rahmen des Pressegesprächs.

Rund 1.000 Aufzüge sind in den 2.000 Wiener Gemeindebauten mit insgesamt rund 7.700 Liften noch nachzurüsten, rund 4.000 in anderen Wohnhäusern Wiens. Alle Aufzüge in den städtischen Wohnhausanlagen, auch jene ohne Fahrkorbtüre, verfügen über zumindest eine zusätzliche Sicherheitsvorkehrung, wie bewegliche Sicherheitsschwellen, Lichtschranken oder Lichtvorhänge, um Unfälle zu vermeiden. Zudem sind fast alle Wiener Wohnen-Aufzüge mit einem Notrufkommunikationssystem ausgestattet.

"Um auch noch die verbleibenden 4.000 Aufzüge in der gesetzlich vorgeschriebenen Frist bis allerspätestens März 2013 an den Stand der Technik anzupassen und einen möglichen Engpass bei den technischen Adaptierungen zu vermeiden, fordern wir die verantwortlichen Aufzugsbetreiber auf, die notwendigen Nachrüstungen verantwortungsbewusst und zeitgerecht voranzutreiben", unterstrich TÜV AUSTRIA-Vorstandsvorsitzender Hugo Eberhardt die Notwendigkeit zu raschem Handeln. "Als kompetenter Partner im technischen Bereich unterstützt der TÜV AUSTRIA hier alle Stellen mit Rat und Tat zur Erhöhung der Sicherheit beim Betrieb und Benutzen von Aufzugsanlagen", so Eberhardt weiter.

Deutliche Reduktion von schweren Unfällen

Durch die intensive Verbesserung der Sicherheit bei Aufzugsanlagen hat sich auch die prozentuelle Unfallverteilung der einzelnen Sicherheitsdefizite positiv verändert.

Anton Marschall, Geschäftsbereichsleiter Aufzugstechnik TÜV AUSTRIA: "Lag in den Jahren 1994 bis 2003 der Anteil von gemeldeten Unfällen mit türlosen Fahrkorböffnungen mit über 15 Prozent an dritter Stelle, so hat sich dieser Wert bis Ende 2008 auf 9 Prozent verringert."

Gleichzeitig haben sich aufgrund der zahlreichen Nachrüstungen die Meldungen von Einklemmen bei automatischen Fahrkorbtüren verdoppelt. Diese Unfallursache steht nun mit 39 Prozent an der Spitze der gemeldeten Fälle, führt aber im Vergleich zu anderen Unfallursachen in der Regel zu weniger schweren Verletzungen, wie eingeklemmten Fingern und Blutergüssen.

Mehr Sicherheit durch regelmäßige Kontrollen

Das Wiener Aufzugsgesetz schreibt die regelmäßige sicherheitstechnische Überprüfung von Aufzügen, das Führen eines Aufzugbuches, das die grundlegenden technischen Daten des Aufzuges enthält und die sofortige Außerbetriebnahme von Aufzügen, wenn diese nicht betriebssicher sind oder die Notrufeinrichtung nicht funktioniert, vor. Die Zeitabstände zwischen den Überprüfungen richten sich nach der Art der Aufzüge: Aufzüge, deren Fahrkörbe an nur einem Tragmittel (Tragseil) hängen, sind in Abständen von sechs Monaten, sonstige Aufzüge zur Personenbeförderung alle 12 Monate zu überprüfen.

Für die laufenden Betriebskontrollen und die Sicherheit im alltäglichen Betrieb sind Aufzugswärter oder zugelassene Betreuungsunternehmen für Aufzüge zuständig.

Konkret sind sie für die regelmäßige Kontrolle der Notrufeinrichtungen, der Funktionstüchtigkeit der Schacht- und Fahrkorbtüren und der Beleuchtung etc. zuständig. Daneben zeichnet der Aufzugswärter oder das Betreuungsunternehmen für eine rasche Notbefreiung von eingeschlossenen Personen sowie für die sofortige Meldung festgestellter Mängel und Gebrechen an den Betreiber und den Aufzugsprüfer verantwortlich.

Stadt Wien fördert die Nachrüstung bestehender Aufzugsanlagen

Der Einbau einer Fahrkorbtür kostet durchschnittlich 4.500 Euro und wird von der Stadt Wien mit bis zu 40 Prozent gefördert. Im Jahr 2008 unterstützte die Stadt Wien die Umrüstung älterer und alter Aufzugsanlagen in Form von nicht rückzahlbaren Einmalzuschüssen mit insgesamt rund 5 Mio. Euro. Behindertengerechte Um- und Einbauten im Wohnbereich werden mit nicht rückzahlbaren Einmalzuschüssen bis zu 75 Prozent der förderbaren Kosten unterstützt. 2008 machte die Gesamtsumme dieser Förderungen rund 1,1 Mio. Euro aus.

TÜV AUSTRIA

Die Kernaufgabe der TÜV AUSTRIA Gruppe ist es, technische Sicherheit zu gewährleisten, Ressourcen zu schonen und die Verbesserung der Qualität von Produkten und Leistungen zu erreichen. Kundenbetreuung mit Problemlösungskompetenz, Objektivität und Unabhängigkeit hat höchste Priorität und wird durch die Fachexpertise von 850 MitarbeiterInnen gewährleistet. Der Geschäftsbereich Aufzugstechnik des TÜV AUSTRIA ist mit einer Vielzahl an Prüfleistungen, Planungsbegutachtungen und Überwachungen der marktführende Partner für die Bereiche Wohnbau, Industrie, Gewerbe und öffentliche Verwaltung.

Service

Weiterführende Informationen zu den Nachrüstungs-Förderungen für Personenaufzüge der Stadt Wien können beim wohnfonds_wien unter der Tel.: 01/403 59 19-0, E-Mail: office@wohnfonds.wien.at erfragt werden.

Die Kompetenzstelle für barrierefreies Planen, Bauen und Wohnen informiert zum Thema behindertengerechte Um- und Einbauten.
Tel.: 01/4000-25345, E-Mail: info@barrierefreiestadt.wien.at

Die Wiener Baupolizei - MA 37 hat ein Merkblatt mit den wichtigsten Informationen zur Aufzugsnachrüstung ins Internet gestellt. Abrufbar unter: www.bauen.wien.at/planen/aufzuege

Fachinformationen zum Thema Aufzüge sind bei der TÜV AUSTRIA SERVICES GMBH, Geschäftsbereich Aufzugstechnik, Tel.: 01/332 42 81-6922, E-Mail: at@tuv.at, www.tuv.at erhältlich. (Schluss) da

Achtung: Zu dieser Meldung ist demnächst eine Bildberichterstattung geplant. In einer OTS-Aussendung wird auf die online-Abrufbarkeit noch hingewiesen.

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Mediensprecherin Vbgm. Dr. Michael Ludwig
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