Postgewerkschaft für sofortige ÖIAG-Auflösung

Michaelis als Eigentümervertreter nicht mehr tragbar

Wien (ÖGB/GPF) - Die Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten (GPF) begrüßt den Vorschlag von Bundeskanzler Werner Faymann, die ÖIAG aufzulösen und die Staatsbeteiligungen zukünftig von den zuständigen Ministerien führen zu lassen.

Für GPF-Vorsitzenden Fritz ist vollkommen klar: "Alleine die Vorgänge rund um die AUA beweisen, dass der ÖIAG-Vorstand, Dr. Peter Michaelis hoffnungslos überfordert und auf allen Linien gescheitert ist. Michaelis ist als Eigentümervertreter daher nicht mehr tragbar. Die ÖIAG ist sofort aufzulösen"

Als Beweis dafür ein kurzer Auszug der Michaelis´schen Managementfehler:

Fehler 1: Dr. Michaelis verheimlicht von 2006 - 2008 zwei Jahre lang ein Gutachten, in dem ein renommierter Unternehmensberater dringend einen strategischen Partner für die AUA empfiehlt.

Fehler 2: Dr. Michaelis widerspricht AUA-General Ötsch mit keinem Wort, als dieser im Frühjahr 2008, sogar öffentlich die AUA als saniert erklärt. Wo hat der Aufsichtsratschef da hingesehen? Denn wenige Wochen später ist alles anders und die AUA massiv gefährdet.

Fehler 3: Noch vor dem Sommer 2008 muss Dr. Michaelis alles revidieren und in einer Nacht- und Nebelaktion den Verkaufsprozess einleiten, der dem Steuerzahler 500 Millionen Euro und Hunderten AUA-MitarbeiterInnen den Job kosten soll.

Fehler 4: Dr. Michaelis macht von Beginn an kein Hehl daraus, dass für ihn nur die Lufthansa in Frage kommt. Der Verkaufsprozess wird überhastet und am Rande des Machbaren in einer Art und Weise durchgezogen, sodass alle anderen potentiellen Bewerber im wahrsten Sinne des Wortes "abgeschüttelt" werden. Mit einem Partner aus dem asiatischen oder arabischen Raum würden heute sehr geringe, bis gar keine Probleme in Brüssel entstehen.

Wenn sich Michaelis jetzt hinsetzt und von fürchterlichen Kosten (mehr als 1 Milliarde Euro) für den Plan "B" spricht, vergisst er, dass er für diese Misere die volle Verantwortung hat, die die MitarbeiterInnen und die Steuerzahlerinnen in den nächsten Jahren auszubaden haben.

"Ich frage mich, wie es heute tatsächlich noch Politiker geben kann, die einem solchen Vorgehen die Stange halten und Herrn Dr. Michaelis auch noch öffentlich verteidigen" sagt Gerhard Fritz zu den unverständlichen Aussagen mancher Politiker.

Aber auch bei der gesamten Diskussion zur Postmarktliberalisierung, vermisst Fritz jedes Engagement des "Eigentümers Michaelis". Während jeder Eigentümer einer Firma sich in einem solchen Fall öffentlich stark machen würde, dass eine neue gesetzliche Regelung "seiner" Firma hilfreich ist, versteckt sich der ÖIAG-Chef hinter den Mauern der ÖIAG und ist im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos.

Auch wenn das Postamtsschließungstheater zu mehr als bedenklichen Marktanteilsverlusten in einem, in der ganzen Branche wachsenden Markt führt, ist das für Post-Aufsichtsratsvorsitzenden Michaelis kein Grund, einem Antrag von vier Aufsichtsräten auf Sonderaufsichtsrat nachzukommen.

"Einen solchen "Eigentümer" haben sich die hart arbeitenden MitarbeiterInnen der Post AG und die ÖsterreicherInnen für "ihr Eigentum" nicht verdient. Es ist wahrlich an der Zeit, die ÖIAG aufzulösen und Herrn Dr. Michaelis in die Wüste zu schicken", meint Fritz weiter.

Für den Postgewerkschaftschef wäre es daher logisch, die Beteiligungen von Post und Telekom dort hinzugeben, wo sie sinnvoller Weise hingehören, nämlich zu dem Ressort, wo die Verantwortung für die Infrastruktur liegt.

"Finanzminister Josef Pröll hat in den letzten Wochen und Monaten keine Gelegenheit ausgelassen, um die Verantwortung als Eigentümervertreter für die Post AG von sich zu schieben. Lediglich gegen die Dividende gab es von ihm keine Einwände. Ich bin davon überzeugt, dass die Post und die Telekom besser im BMVIT aufgehoben wären", so Gerhard Fritz dazu abschließend

ÖGB, 15. Juli 2009 Nr. 452

Rückfragen & Kontakt:

Martin Palensky
Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten
Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
0664-624 1206

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB0001