"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Aus für den Klub der Reichen" (Von FLORIAN WEISSMANN)

Die G-20-Runde kann die neue Weltordnung nicht mehr repräsentieren - Ausgabe vom 9. Juli 2009

Innsbruck (OTS) - Der Klub der G-20 hat als globaler Problemlöser ausgedient, weil er nicht mehr die Welt des 21. Jahrhunderts repräsentiert. Die Zeiten sind vorbei, in denen die reichsten Länder des Westens die Weltwirtschaft als ihren Schrebergarten betrachten konnten. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde aus politischen Gründen auch Russland aufgenommen. Doch inzwischen sieht die Welt völlig anders aus: Es gibt neue Spieler auf der Weltbühne, neue globale Herausforderungen und neue Technologien, die Individuen in allen Erdteilen vernetzen.

China mustert sich zur Supermacht und Länder wie Indien, Brasilien, Mexiko, Südafrika und Saudi-Arabien wollen und müssen einbezogen werden, wenn es um Welthandel, Armut oder Klima geht. Schon beim Krisentreffen der G-20 in London wurde im April dieses Jahres klar, dass die reichen Länder auf die Kooperation der ärmeren angewiesen sind.

Die neue Weltordnung ist multipolar - mit Zentren in allen Erdteilen. Diese Erfahrung musste sogar die einzige aktuelle Supermacht USA machen, als die Regierung von US-Präsident Bush mit ihren Alleingängen scheiterte. Dessen Nachfolger Obama wirbt nun wie kein anderer der führenden Weltpolitiker für neue globale Zusammenarbeit und gemeinsame Visionen. Vor konkreten Ergebnissen liegt zwar noch ein steiniger Weg, doch Obamas weltpolitische Philosophie hat mit dem Klub der G-20 nichts mehr zu tun.

Das heißt nicht, dass die führenden Industriestaaten ihre Ideen und Positionen zu globalen Problemen wie dem Klimawandel nicht abstimmen sollten. Aber die Erwartung, dass von Gipfelspektakeln wie jenem in L'Aquila globale Lösungen ausgehen, wäre weit überzogen. Dafür braucht es in Zukunft neue Netzwerke und Foren, die erst noch entstehen.

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