Papst will klaren Dialog mit den Lefebvrianern

Es geht um die dramatischen Auffassungsunterschiede im Lehrbereich - Kardinal Levada, der Präfekt der Glaubenskongregation, ist der neue Vorsitzende der Kommission "Ecclesia Dei"

Vatikanstadt, 08.07.2009 (KAP) Papst Benedikt XVI. will den Dialog mit der lefebvrianischen "Pius-Bruderschaft" fortsetzen. Mit einem päpstlichen Erlass ("Motu proprio") hat er die seit langem erwarteten neuen Regeln für das Gespräch mit den Schismatikern festgelegt. Das am Mittwoch veröffentlichte Dokument trägt den Titel "Ecclesiae unitatem" (Die Einheit der Kirche). In dem Dokument bindet der Papst die bisher weitgehend eigenständige Kommission "Ecclesia Dei", die seit 1988 für den Dialog mit rückkehrwilligen Lefebvrianern zuständig ist, unmittelbar an die vatikanische Glaubenskongregation. Gleichzeitig wurde der altersbedingte Rücktritt des kolumbianischen Kardinals Dario Castrillon Hoyos angenommen, der die Kommission "Ecclesia Dei" seit 2000 geleitet hatte. Neuer Vorsitzender der Kommission ist in Personalunion der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal William Joseph Levada. Neuer Sekretär wurde Msgr. Guido Pozzo, bisher beigeordneter Sekretär der Internationalen Theologenkommission. Er löst den luxemburgischen Prälaten Camille Perl ab.

Die Maßnahmen waren von Benedikt XVI. bereits im März in einem Brief an alle katholischen Bischöfe angekündigt worden, nachdem die Rücknahme der Exkommunikation von vier lefebvrianischen Bischöfen weltweit für heftige Diskussionen gesorgt hatte. Anlass der Diskussionen war insbesondere, dass sich unter den vier lefebvrianischen Bischöfen auch der Engländer Richard Williamson befindet, der unter Berufung auf neonazistische Autoren den Holocaust leugnet.

Die neue Struktur trage der Tatsache Rechnung, dass es bei den Differenzen zwischen dem Heiligen Stuhl und den "Pius-Brüdern" vorrangig um Lehrfragen geht, betont der Papst in "Ecclesiae unitatem". Implizit wird damit eingeräumt, dass es zwischen der der katholischen Kirche und den Lefebvrianern dramatische Auffassungsunterschiede im Bereich der Lehre gibt. Künftig werden wichtige Fragen aus diesem Bereich unmittelbar den Instanzen der Glaubenskongregation zur Beratung zugewiesen und die Ergebnisse dann dem Papst unterbreitet.

Es gehe darum, Spaltungen in der Kirche zu überwinden, bestehende Wunden zu heilen und die "Altgläubigen" zur vollen Gemeinschaft mit der Kirche zu führen, stellt Benedikt XVI. fest. Diesem Ziel habe bereits die Rücknahme der Exkommunikation für die vier im Jahr 1988 illegal von Lefebvre geweihten Bischöfe gedient. Er habe gehofft, damit ein Hindernis zu beseitigen, das einer Aufnahme des Dialogs im Wege stehen könnte, so der Papst. Bis die offenen Lehrdifferenzen geklärt seien, hätten die "Pius-Bruderschaft" und ihre Mitglieder jedoch keinen ordnungsgemäßen Status in der Kirche; "Pius-Brüder" könnten kein Amt legitim ausüben.

(forts. mgl.)
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