- 08.07.2009, 13:44:46
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Bischof Erwin Kräutler wird 70
Der austro-brasilianische Bischof setzt sich unermüdlich für die an den Rand gedrängten Menschen und für die Umwelt ein
Brasilia, 08.07.2009 (KAP) Der austro-brasilianische Bischof Erwin
Kräutler wird am 12. Juli 70. Kräutler wurde am 12. Juli 1939 in
Vorarlberg geboren; nach der Matura (er war ein Schulkollege des
früheren Feldkircher und nunmehrigen St. Pöltner Bischofs Klaus
Küng) trat er in die Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut
ein und studierte in Salzburg Theologe und Philosophie. Am 3. Juli
1965 wurde er zum Priester geweiht. Noch im selben Jahr ging er als
Missionar ins brasilianische Amazonasgebiet. Am 7. November 1980
wurde er von Johannes Paul II. zum Bischof-Koadjutor für die
Prälatur Xingu im Bundesstaat Para ernannt, deren Bischof damals
sein Onkel Erich Kräutler war. Am 25. Jänner 1981 wurde er zum
Bischof geweiht, am 2. September 1981 trat er die Nachfolge seines
Onkels an. Die Prälatur Xingu ist mit 350.000 Quadratkilometern und
400.000 Einwohnern (davon nur 3.500 Indianer) die flächenmäßig
größte Diözese Brasiliens.
Von 1983 bis 1991 (und wieder seit 2006) wirkte Kräutler auch als
Präsident des Indianer-Missionsrates (CIMI) der Brasilianischen
Bischofskonferenz. Sein Einsatz galt und gilt der "Option für die
Armen". 1983 wurde Kräutler wegen Teilnahme an einer
Solidaritätsaktion von der Militärpolizei festgenommen und
verprügelt. Am 16. Oktober 1987 wurde der Bischof durch einen
inszenierten Unfall schwer verletzt: Ein Kleinlastwagen hatte
frontal sein Auto gerammt.
Die Sorge des Bischofs gilt sowohl den Indios als auch den
hunderttausenden marginalisierten Kleinbauern und Landarbeitern
seiner Diözese, deren Rechte er gegen die großen agro-industriellen
Konzerne verteidigt. Bischof Kräutler ist Träger zahlreicher
österreichischer und internationaler Auszeichnungen.
Der Bischof vergleicht sein Leben mit dem Amazonas: "Ruhe und Sturm,
Ebbe und Flut. Ich bin traurig und fröhlich, bedrückt und dann
wieder glücklich über so manche Veränderung". Kräutler setzt sich
unbeirrt für die Menschen und die Umwelt ein, dafür bekommt er
Morddrohungen und steht seit drei Jahren unter Polizeischutz.
"Verprügelter Bischof"
1983 wurde er international bekannt als "der verprügelte Bischof".
Kräutler hatte sich mit Kleinbauern solidarisiert, die seit einem
Jahr vergeblich auf Geld für die an eine große Zuckerfabrik
abgelieferte Ernte warteten. Nachdem alle Behördenwege
fehlgeschlagen waren, besetzten die Bauern mit ihren Familien eine
Straße in der Nähe der Bischofsstadt Altamira. Als die
Militärpolizei eingriff, wurde auch Kräutler festgenommen.
Fotografen und Fernsehleute dokumentierten, wie der Bischof in den
Polizeigriff genommen, zu Boden gerissen und abtransportiert wurde.
Man solle ihn deswegen ja nicht zum Helden stempeln, meinte Kräutler
nach dem Zwischenfall. Er habe nur getan, was sich für einen Bischof
gehöre: Er sei bei den Menschen gewesen, die ihn am meisten
gebraucht hätten.
Doch der Amazonas-Bischof erlebt auch immer wieder Erfolge. Von 1983
bis 1991 war Kräutler Präsident des Indianermissionsrats der
Brasilianischen Bischofskonferenz (CIMI), seit 2006 hat er das Amt
wieder inne. Bei der verfassunggebenden Versammlung 1987 setzte er
sich dafür ein, dass die Rechte der Indianer in der Verfassung
verankert werden. Es helfe zwar weiter, dass man sich nun auf das
Gesetz berufen kann, andererseits habe es zu neuen Konflikten
geführt, sagt Kräutler heute: "Die Indianer sitzen in Gebieten mit
Bodenschätzen, die die 'latifundistas' ausnützen wollen".
In seinen 840 Gemeinden ist der meist leger gekleidete Bischof
überaus beliebt. Ob am Flughafen oder im Regenwald - er wird erkannt
und mit einem "Oi, bispo" (Hallo, Bischof) begrüßt. Wenn bei
Pfarrvisitationen und sonstigen Gemeindebesuchen Plakate
hochgehalten werden mit Botschaften wie "Dein Leid ist auch unser
Leid, Bischof Erwin, wir lieben Dich", dann sei er sich sicher, dass
das Reich Gottes hier und jetzt beginne. Mit diesem Rückhalt hält er
es auch aus, rund um die Uhr von Sicherheitsleuten beschützt zu
werden: "Allein bin ich nur in meinem Zimmer und in meinem Büro".
In seinem Buch "Mein Leben ist wie der Amazonas" schreibt Kräutler:
"Ich spüre die Ohnmacht angesichts so vieler Ungerechtigkeit und bin
empört über all die Ausbeutung und Plünderung der Menschen und ihrer
Mit-Welt". Aber trotz aller Anfechtungen betont Kräutler, dass er
als junger Priester freiwillig nach Brasilien gegangen sei: "Ich
werde das durchziehen bis ich 75 bin".
(ende)
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