Bischof Erwin Kräutler wird 70

Der austro-brasilianische Bischof setzt sich unermüdlich für die an den Rand gedrängten Menschen und für die Umwelt ein

Brasilia, 08.07.2009 (KAP) Der austro-brasilianische Bischof Erwin Kräutler wird am 12. Juli 70. Kräutler wurde am 12. Juli 1939 in Vorarlberg geboren; nach der Matura (er war ein Schulkollege des früheren Feldkircher und nunmehrigen St. Pöltner Bischofs Klaus Küng) trat er in die Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut ein und studierte in Salzburg Theologe und Philosophie. Am 3. Juli 1965 wurde er zum Priester geweiht. Noch im selben Jahr ging er als Missionar ins brasilianische Amazonasgebiet. Am 7. November 1980 wurde er von Johannes Paul II. zum Bischof-Koadjutor für die Prälatur Xingu im Bundesstaat Para ernannt, deren Bischof damals sein Onkel Erich Kräutler war. Am 25. Jänner 1981 wurde er zum Bischof geweiht, am 2. September 1981 trat er die Nachfolge seines Onkels an. Die Prälatur Xingu ist mit 350.000 Quadratkilometern und 400.000 Einwohnern (davon nur 3.500 Indianer) die flächenmäßig größte Diözese Brasiliens.

Von 1983 bis 1991 (und wieder seit 2006) wirkte Kräutler auch als Präsident des Indianer-Missionsrates (CIMI) der Brasilianischen Bischofskonferenz. Sein Einsatz galt und gilt der "Option für die Armen". 1983 wurde Kräutler wegen Teilnahme an einer Solidaritätsaktion von der Militärpolizei festgenommen und verprügelt. Am 16. Oktober 1987 wurde der Bischof durch einen inszenierten Unfall schwer verletzt: Ein Kleinlastwagen hatte frontal sein Auto gerammt.

Die Sorge des Bischofs gilt sowohl den Indios als auch den hunderttausenden marginalisierten Kleinbauern und Landarbeitern seiner Diözese, deren Rechte er gegen die großen agro-industriellen Konzerne verteidigt. Bischof Kräutler ist Träger zahlreicher österreichischer und internationaler Auszeichnungen.

Der Bischof vergleicht sein Leben mit dem Amazonas: "Ruhe und Sturm, Ebbe und Flut. Ich bin traurig und fröhlich, bedrückt und dann wieder glücklich über so manche Veränderung". Kräutler setzt sich unbeirrt für die Menschen und die Umwelt ein, dafür bekommt er Morddrohungen und steht seit drei Jahren unter Polizeischutz.

"Verprügelter Bischof"

1983 wurde er international bekannt als "der verprügelte Bischof". Kräutler hatte sich mit Kleinbauern solidarisiert, die seit einem Jahr vergeblich auf Geld für die an eine große Zuckerfabrik abgelieferte Ernte warteten. Nachdem alle Behördenwege fehlgeschlagen waren, besetzten die Bauern mit ihren Familien eine Straße in der Nähe der Bischofsstadt Altamira. Als die Militärpolizei eingriff, wurde auch Kräutler festgenommen. Fotografen und Fernsehleute dokumentierten, wie der Bischof in den Polizeigriff genommen, zu Boden gerissen und abtransportiert wurde.

Man solle ihn deswegen ja nicht zum Helden stempeln, meinte Kräutler nach dem Zwischenfall. Er habe nur getan, was sich für einen Bischof gehöre: Er sei bei den Menschen gewesen, die ihn am meisten gebraucht hätten.

Doch der Amazonas-Bischof erlebt auch immer wieder Erfolge. Von 1983 bis 1991 war Kräutler Präsident des Indianermissionsrats der Brasilianischen Bischofskonferenz (CIMI), seit 2006 hat er das Amt wieder inne. Bei der verfassunggebenden Versammlung 1987 setzte er sich dafür ein, dass die Rechte der Indianer in der Verfassung verankert werden. Es helfe zwar weiter, dass man sich nun auf das Gesetz berufen kann, andererseits habe es zu neuen Konflikten geführt, sagt Kräutler heute: "Die Indianer sitzen in Gebieten mit Bodenschätzen, die die 'latifundistas' ausnützen wollen".

In seinen 840 Gemeinden ist der meist leger gekleidete Bischof überaus beliebt. Ob am Flughafen oder im Regenwald - er wird erkannt und mit einem "Oi, bispo" (Hallo, Bischof) begrüßt. Wenn bei Pfarrvisitationen und sonstigen Gemeindebesuchen Plakate hochgehalten werden mit Botschaften wie "Dein Leid ist auch unser Leid, Bischof Erwin, wir lieben Dich", dann sei er sich sicher, dass das Reich Gottes hier und jetzt beginne. Mit diesem Rückhalt hält er es auch aus, rund um die Uhr von Sicherheitsleuten beschützt zu werden: "Allein bin ich nur in meinem Zimmer und in meinem Büro".

In seinem Buch "Mein Leben ist wie der Amazonas" schreibt Kräutler:
"Ich spüre die Ohnmacht angesichts so vieler Ungerechtigkeit und bin empört über all die Ausbeutung und Plünderung der Menschen und ihrer Mit-Welt". Aber trotz aller Anfechtungen betont Kräutler, dass er als junger Priester freiwillig nach Brasilien gegangen sei: "Ich werde das durchziehen bis ich 75 bin".

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