Sozialpartner: Alternsgerecht arbeiten - Arbeitsfähigkeit erhalten

www.arbeitundalter.at bringt Best-Practice-Beispiele

Wien (ÖGB/IV/AK/WKÖ) - Österreichs Bevölkerung und Arbeitskräfte werden älter. In den Betrieben ist mittlerweile jeder zweite Mitarbeiter bzw. jede zweite Mitarbeiterin über 40 Jahre alt -Tendenz steigend. Und wir alle wollen - nicht zuletzt im Umfeld unserer beruflichen Tätigkeiten - möglichst gut älter werden. Sicher ist auch: Die Wirtschaft braucht das Wissen und die Fachkenntnisse der Älteren. Eine Sozialpartnerveranstaltung am 7. Juli in der ÖGB-Fachbuchhandlung hat gezeigt, wie altersgerechtes Arbeiten in den Alltag österreichischer Betriebe Einzug halten kann, sodass die Umsetzung auf selbstverständliche Weise zum Vorteil aller Beteiligten führt. Anlass war die Präsentation der Informations-Website www.arbeitundalter.at, die zahlreiche erfolgreiche Beispiele aus der Praxis zeigt.++++

"Nicht das Erschweren des Pensionsantritts, sondern das Erleichtern des Verbleibs in der Arbeitswelt ist das Ziel", sagte Christine Schwanke, Bereichsleiterin Generationenbalance beim IBG Institut für humanökologische Unternehmensführung. Sie wies darauf hin, dass es keine Universallösung für alternsgerechtes Arbeiten gebe: "Die Betriebe brauchen immer maßgeschneiderte Lösungen. Diese brächten nicht nur den Arbeitnehmern etwas, sondern auch den Unternehmen: "Sie können sich als attraktive Arbeitgeber positionieren. Die Menschen denken: ‚Hier kann ich bis zur Pension bleiben.’"

AK: Gesundheit wichtigstes Motiv für längeres Arbeiten

"Für 70 Prozent ist betriebliche Gesundheitsförderung ein Fremdwort. Das kommt in den Unternehmen gar nicht vor", sagte die AK-Bereichsleiterin für Soziales, Alice Kundtner. Dabei sei der Gesundheitszustand das wichtigste Motiv von Menschen, die länger in der Arbeitswelt bleiben als unbedingt notwendig. Dass alle ArbeitnehmerInnen so schnell wie möglich in Pension gehen wollen, verwies Kundtner in das Reich der Märchen: "Viele erreichen gar nicht das Regelpensionsalter, weil sie vorher mit Staublunge in Invaliditätspension müssen." Auch für die Notwendigkeit von Weiterbildung müssten viele Arbeitgeber, aber auch ArbeitnehmerInnen erst sensibilisiert werden: "Noch immer sagen viele Arbeitgeber, jemand ist zu alt für eine Schulung, und der Arbeitnehmer sagt, in meinem Alter brauche ich keine Schulung mehr."

IV: Ältere sind Wettbewerbsvorteil für Unternehmen

"Ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer möglichst lange im Erwerbsprozess zu halten bzw. rasch wieder in den Erwerbsprozess zu integrieren ist für die Industrie ein zentrales Anliegen", so Wolfgang Tritremmel, Bereichsleiter Arbeit und Soziales der IV. Die Industrie habe ältere Arbeitskräfte schon seit längerem als einen wichtigen Zukunftsfaktor erkannt. Ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer länger im Erwerbsprozess sei nicht zuletzt gerade in der Krise eine Chance: "Ältere verfügen zumeist über eine hohe Erfahrung, Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und eine hohe Problemlösungskompetenz. Sie können daher für ein Unternehmen einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil bedeuten", betonte Tritremmel. In vielen Unternehmen sei man daher bereits bemüht, gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dem Betriebsrat sowie Experten an vielfältigen Problemlösungen und Maßnahmen zur altersgerechten Gestaltung der Arbeitswelt zu arbeiten. "Alternsgerechte Arbeitsorganisation, betriebliche Gesundheitsförderung und Weiterbildung im Sinne des lebensbegleitenden Lernens sind dabei die wichtigsten drei Hebel, an denen wir ansetzen müssen", forderte Tritremmel. Das verfrühte Ausscheiden Älterer aus dem Arbeitsmarkt sei überdies aufgrund der demografischen Entwicklung für voraussehbare Arbeitskräfteengpässe der Wirtschaft und für das Pensionssystem nicht länger tragbar.

ÖGB: Das Wissen ist da, wird aber oft nicht umgesetzt

"Das Wissen, wie man Arbeitsplätze alternsgerecht gestaltet, ist durchaus vorhanden", sagte Bernhard Achitz, Leitender Sekretär im ÖGB, "aber es wird in vielen Unternehmen nicht umgesetzt, solange es keinen Rechtsanspruch zum Beispiel auf einen entsprechend angepassten Arbeitsplatz gibt." Das alternsgerechte Arbeiten fange bei den Jungen an: "Wer nicht früh beginnt sich weiterzubilden, wird das später auch nicht mehr tun." Ähnliches gelte für die Gesundheitsvorsorge. Dass ein frühzeitiger Pensionsantritt in Österreich von vielen nicht gerade als unangenehm eingestuft werde, sei eine Folge von falscher Politik: "Lang wurde Arbeitsmarktpolitik auf Kosten der Pensionsversicherung betrieben, nach dem Motto: ‚Lieber ein glücklicher Pensionist als ein unglücklicher Arbeitsloser’. Dann kam die Pensionsreform, der Zugang wurde erschwert, aber es gab keine begleitenden Maßnahmen, die den Menschen ermöglicht haben, auch wirklich länger im Berufsleben zu bleiben.

WKÖ: Das Sinn Stiftende der Arbeit herausstreichen

"Die EU verliert 20 Prozent an Produktivität im Vergleich zu Asien oder den USA, weil Erfahrungswissen nicht ausreichend genutzt wird", sagte Martin Gleitsmann, WKÖ-Bereichsleiter für Sozial- und Gesundheitspolitik. Sensibilisiert müssten sowohl die ArbeitnehmerInnen als auch die Führungskräfte werden: "Man muss das Sinn stiftende der Arbeit auch für die älteren Arbeitskräfte herausstreichen. Aussteigen macht nicht glücklich, das belegen zahlreiche Studien." Den älteren MitarbeiterInnen müssten Perspektiven geboten werden: "Auf Qualifikation, auf Weiterentwicklung, aber auch auf Karriere." Das müsse in individuellen Zielvereinbarungen umgesetzt werden, könnte aber auch zur Orientierung in Unternehmensleitbildern verankert werden.

SERVICE: Fotos von der Veranstaltung, vor allem aber viele Umsetzungsbeispiele aus der Praxis, finden Sie auf www.arbeitundalter.at (fk)

ÖGB, 8. Juli 2009 Nr. 442

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