"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Denkanstoß in Krisenzeiten" (Von CARMEN BAUMGARTNER)

Ausgabe vom 8. Juli 2009

Innsbruck (OTS) - Die Sozialenzyklika "Caritas in veritate" ist
viel mehr als ein - in der Tradition der katholischen Soziallehre stehender - Rundbrief an die Bischöfe. Aus dem rund 70 A4-Seiten starken Werk kann sich jeder, der "guten Willens ist" - so formuliert es der Papst -, Denkanstöße holen. Und liest man den dritten Rundbrief von Benedikt XVI. genau, wünscht man sich fast unweigerlich, dass die Enzyklika zur Pflichtlektüre für Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft wird.
Denn es liest sich gut, was der Papst zu sagen hat: Sinngemäß geht es um Anständigkeit in jedem Bereich des menschlichen Zusammenlebens. Und darum, dass Rücksichtnahme generell besser ist als Einzelkampf -dagegen kann man schlecht etwas haben, egal wo man weltanschaulich steht. Für die Wirtschaft lautet die Botschaft, dass Gewinnmaximierung nicht über das Gemeinwohl gestellt werden soll. "Solidarität und Gerechtigkeit", das ist kein linker Kampfspruch, den man auf jeder Demo zu hören bekommt, sondern die Essenz eines christlichen Lebens. Daran sollte jeder Politiker denken, der Neidkomplexe schürt - und davon gibt es nicht wenige.
Natürlich gibt es auch Wermutstropfen: Was die Forderung nach einer neuen Weltordnung bringen soll, außer Hoffnung, kommt nicht deutlich heraus. Konkrete Handlungsanleitungen, wie die bessere Welt gestaltet werden könnte, bleibt der Papst schuldig. Doch er gibt Beispiele, was für diese Welt wichtig ist: eine couragierte Zivilgesellschaft, eine starke, internationale Gewerkschaft und als Fundament "rechtschaffene Menschen" mit Gewissen. Das ist eine Botschaft, die in (Krisen-)Zeiten wie diesen gehört werden sollte.

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