"Dem Papst geht es um den 'Mehr-Wert' ... (4)

Stadler: "Eine Einladung zur Diskussion"

Die neue Sozialenzyklika sei auch eine Einladung an die Wirtschaftseliten, in die Debatte um Spielregeln für eine "verantwortliche Marktwirtschaft" stärker einzusteigen, sagte der Finanzexperte und langjährige "Investkredit"-Generaldirektor Prof. Wilfried Stadler bei der Pressekonferenz. Er attestierte Benedikt XVI. einen "unglaublich offenen Blick "für die Realitäten der Verwerfungen im Wirtschaftssystem". Auch Stadler wies darauf hin, dass die Enzyklika das unternehmerische Tun akzeptiere, dabei aber auf die sozialen und ethischen Verpflichtungen der Unternehmen abziele.

"Für die Öffnung der Märkte für Menschen, Güter, Dienstleistungen und Kapital gibt es noch kein ordnungspolitisches Gesamtkonzept", stellte Stadler fest. In dieser Hinsicht komme die Enzyklika als inspirierender Impuls "just in time". Das Lehrschreiben könne damit Anstoß für eine Debatte über eine fundamentalen ordnungspolitische Erneuerung sein; diese Erneuerung sei gerade in Europa nach der Öffnung der Märkte Richtung Osten ab der "Wende" 1989 ausgeblieben, so Stadler.

Kritik, dass das päpstliche Lehrschreiben wenig konkrete Handlungsanwweisungen enthalte, wies der Finanzexperte zurück. "Ein herausfordernder Blick auf die Wirklichkeit ist wichtiger als der Versuch, konkrete Maßnahmenpakete zu entwickeln, die auf Grund völlig unterschiedlicher Wirtschaftstraditionen in einzelnen Weltregionen zum Scheitern verurteilt wären", meinte Stadler.

O-Töne von Kardinal Schönborn, Michael Landau und Wilfried Stadler sind in Kürze unter www.katholisch.at/o-toene abrufbar.

(forts. mgl.)
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