WU und WIFO vereinbaren enge Kooperation

Wien (WIFO) - Ziel der Wirtschaftsuniversität Wien ist es, auf dem Gebiet der theoriebasierten, politikrelevanten angewandten Volkswirtschaftslehre eine führende Stellung einzunehmen und zu einem europaweit bekannten Ausbildungszentrum zu werden. Um diesem Ziel näher zu kommen, wird am 7. Juli 2009 eine Kooperation mit dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung besiegelt. Durch die nahe Universitätsanbindung soll zudem das WIFO in seiner Position als Qualitätsführer in der empirischen Wirtschaftsforschung in Österreich und als Zentrum für europaweite Wirtschaftsforschung in Mitteleuropa gestärkt werden.

Das vom Rektor der WU, Christoph Badelt, und vom Leiter des WIFO, Karl Aiginger, am 7. Juli 2009 unterzeichnete Kooperationsabkommen verfolgt im Einzelnen folgende Ziele:

- den Forschungsoutput in hochrangigen internationalen Zeitschriften am WIFO und der WU durch eine intensivere Zusammenarbeit beider Institutionen zu steigern,

- die Attraktivität beider Institutionen für ausländische Gastwissenschafterinnen und Gastwissenschafter zu erhöhen,

- den Praxisbezug auf allen Niveaus der universitären Ausbildung zu stärken,

- die Attraktivität der WU für wirtschaftspolitisch und empirisch interessierte Studierende aus dem mitteleuropäischen Raum zu steigern,

- das Bestreben des WIFO darin zu stärken, ausländische Spitzenforscherinnen und -forscher nach Österreich zu holen und die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des WIFO mit dem Wunsch nach intensiver Universitätsanbindung zu unterstützen,

- mittelfristig eine aus Drittmitteln finanzierte "Stiftungsprofessur für empirische Wirtschaftsforschung" zu errichten, die an der WU angesiedelt ist und in Abstimmung mit dem WIFO besetzt wird.

Ein wichtiger erster Schritt ist die verstärkte Zusammenarbeit im Bereich der Diplomarbeiten und Dissertationen. Diese reicht von der Themenwahl (z. B. Globalisierung, Wirkung fiskalpolitischer Maßnahmen) über die Methodik (Kombination von moderner Theorieanwendung und deren empirischer Überprüfung) bis zur forcierten Zusammenarbeit in aktuellen internationalen Forschungsprojekten. Dazu entwickelt WIFO und WU eine gemeinsame Liste wichtiger Dissertationsthemen. Im Rahmen dieser Liste können Studierende der WU bis zu fünf Monate am WIFO an einem für die Wirtschaftsforschung relevanten empirischen Thema arbeiten.

Als Modellversuch dieser Kooperation ist die Diplomarbeit von Petra Vujakovic zu bezeichnen: Petra Vujakovic entwickelte im Rahmen ihrer Diplomarbeit an der WU bei Professor Aiginger einen neuartigen internationalen Globalisierungsindikator. Er ist theoriebasiert und nutzt bessere Methoden als bisher üblich, um ein Ranking der Länder nach drei Dimensionen der Globalisierung zu ermitteln. Die Arbeit wurde im Rahmen einer "WIFO Junior Fellowship" erstellt. Sie wurde auch für den Preis der Atlantic Economic Society eingereicht.

Nach dem von Petra Vujakovic entwickelten Globalisierungsindikator ist Österreich eines der 10 am meisten globalisierten Länder. Es liegt im Gesamtindex an 9. Stelle, bezüglich der sozialen Globalisierung an 6. Stelle, bezüglich der finanziellen Globalisierung an 12. Stelle und bezüglich der politischen an 16. Stelle. Irland, die Schweiz und die Niederlande sind die am stärksten globalisierten Länder. Die USA als große und Finnland als kleine Volkswirtschaft sind deutlich weniger globalisiert.

Der 9. Rang für Österreich ist wesentlich realistischer als der 2. Rang laut KOF-Index, dem bisherigen am häufigsten benutzten Globalisierungsindex. Diese Einschätzung ergibt sich auch daraus, dass die Diplomarbeit auf die Differenzierung zwischen Nachbarschaftshandel und Handel ausführlich eingeht. Indem die Handelsströme nach Distanz gewichtet werden, ergibt sich für Österreich eine geringere Offenheitsquote als in der herkömmlichen Berechnung. Österreich hat die Chancen der EU-Erweiterung besser genutzt als andere Länder und kann Positionsgewinne in der internationalen Arbeitsteilung auch in geringerer Distanz ausschöpfen. Dies berücksichtigt der neuentwickelte Globalisierungsindikator besser, der nun der internationalen Forschung zur Nutzung und auch Kritik zur Verfügung steht.

Rückfragen & Kontakt:

Dipl.-Ing. Franz Sinabell
Stellvertretender Leiter
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-481 * Fax. +43 1 798 93 86
Franz.Sinabell@wifo.ac.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | WFO0001