DER STANDARD-Kommentar: "Die Anschaffer" von Luise Ungerboeck

Ausgabe vom 7.7.2009

Wien (OTS) - Ohne Zweifel, es ist in höchstem Maße ärgerlich, dass Banken die von der Europäischen Zentralbank geborgten Millionen horten. Die Banker, denen bis vor einem Jahr kein Versicherungs- oder Wettgeschäft undurchsichtig oder riskant genug war, gehen dabei so weit, dass sie billigst verzinste Ausleihungen zu miserablen Konditionen wieder bei der EZB veranlagen, anstatt ihrem ureigenen Geschäft, der Kreditvergabe, nachzukommen. Sie legen damit die Realwirtschaft lahm - in Handel, Industrie und Gewerbe versickert der Geldfluss - und riskieren eine Pleitewelle. Und das alles, obwohl der Kreditapparat von der Republik mit bis zu 15 Milliarden Euro in Bewegung gehalten wird.
Die solcherart hervorgerufene Kreditklemme mit der Zwangsverpflichtung zur Kreditvergabe bekämpfen zu wollen, wie dies in der deutschen Regierung diskutiert wird, ist dennoch als besonders gefährlich abzulehnen. Der Einsatz für Unternehmen in Ehren, aber populistischer geht es wohl nicht. Erstens ist die Kreditwirtschaft keine planwirtschaftliche Diktatur. Zweitens haben die Geldhäuser die Staatshilfe bekommen, um einen Ansturm auf Sparguthaben und Vermögen zu verhindern und das Finanzsystem zu stabilisieren. Drittens würde ein Kreditzwang mit Sicherheit das Gegenteil dessen bewirken, das die Anschaffer bezwecken.
Allein die Vorstellung, Politiker entscheiden, welche Sparkasse welchem Betrieb wie viel Kohle geben muss - ein Horror. Der Freunderlwirtschaft wäre Tür und Tor geöffnet, faule Milliardenkredite wären programmiert.

Rückfragen & Kontakt:

Der Standard
Tel.: (01) 531 70/445

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PST0001