Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Politik und Medien"

Ausgabe vom 7. Juli 2009

Wien (OTS) - Schreckensszenen aus Österreich:

1. Funktionäre einer großen Bank berichten schreckensbleich, dass die SPÖ Druck auf sie ausübe, der im Trudeln befindlichen Zeitung "Österreich" einen Kredit zu gewähren. Gleichzeitig wurde die Bank deutlich darauf hingewiesen, wie sehr sie doch die Hilfe des Staates beim sogenannten Bankenrettungspaket benötige.

Der Staatsbürger fragt: Waren es nicht genau solche leichtfertigen Kredite, welche weltweit manche Banken ins Schleudern gebracht haben? Geht es der SPÖ vor der Wiener Wahl wirklich so schlecht? Will sie wirklich all jenen Recht geben, die vor den katastrophalen Folgen gewarnt haben, sollte der Staat wieder Einfluss auf die Wirtschaft (oder gar die Kreditvergaben) bekommen?

2. Ein ÖVP-Funktionär deutet erstmals an, warum die Partei leichtfertig mehr als 100.000 Wähler verärgert, indem sie trotz des Wahlergebnisses nicht den EU-Fan Othmar Karas zu ihrem EU-Spitzenmann gemacht hat: Damit habe man sich die Gunst der "Kronenzeitung" erkaufen wollen.

Der Bürger fragt: Könnte die ÖVP solcherart nicht noch mehr (ob der Karas-Abservierung und der "Krone"-Annäherung erzürnte) Wähler verlieren, als ihr das Massenblatt - eventuell - bringt?

3. Samstagmittag in der Wiener Innenstadt: Ein Mann und drei auffallend junge Frauen begleiten, nein: führen, nein: schleppen mit viel Kraftanstrengung einen tiefgebeugten und gebrechlichen alten Mann hinter sich her. Sie brauchen, obwohl sie ihn von beiden Seiten fest packen, für zwei Meter fast eine Minute. Der Mann ist Hans Dichand.

Eine schockierte Augenzeugin fragt: Und das ist der mächtigste Mann Österreichs?

4. Der SPÖ-Chef bedankt sich öffentlich nicht nur bei Dichand, sondern auch bei den ORF-Journalisten für die Hilfe im letzten Wahlkampf. Und bei der Arbeiterkammerwahl wählen in zentralen ORF-Redaktionen bis zu 80 Prozent rot-grün.

Der Bürger fragt: Ist das nicht der selbe ORF, der laut Gesetz zur Objektivität verpflichtet ist, den fast alle Österreicher finanzieren müssen - und von dem ein paar rotgrüne Intellektuelle nun vorgeben, ihn so, wie er ist, "retten" zu müssen?

5. Ohne unabhängige, pluralistische Medien, ohne saubere Trennung zwischen Politik und Medien kann keine Demokratie funktionieren.

Frage: Weiß das in diesem Land noch irgendwer?

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