Lebenshilfe Wien baut erstes Senioren-Wohnhaus für Menschen mit geistiger Behinderung

Wien (OTS) - Dreißig Jahre, nachdem der Eltern- und Angehörigenverein Lebenshilfe Wien sein erstes Wohnhaus für intellektuell beeinträchtigte Menschen eingerichtet hat, beginnt der Verein den Bau des österreichweit ersten kleineren Senioren-Wohnhauses für seine Klientinnen und Klienten. Gestützt auf zwei Erbschaften, vielen Spenden und enger Zusammenarbeit mit dem Fonds Soziales Wien, wird in den nächsten drei Jahren in der Nauschgasse (nahe der UNO-City) im 22. Bezirk ein Haus gebaut, in dem 18 ältere Menschen mit Behinderung ihren Ruhestand verbringen können. Den Spatenstich dazu nahm Sozialstadträtin Sonja Wehsely am 6. Juli vor.

Menschen, die oft Jahrzehnte lang in betreuten Werkstätten tätig sind und dazu fünfmal pro Woche mit dem Fahrtendienst von ihrem Wohnplatz in eine solche Werkstatt gebracht werden, haben, wenn sie älter werden, den gleichen Wunsch wie Arbeitnehmer/innen: "in Pension gehen zu können", also nicht mehr arbeiten zu müssen. Aufgabe der Lebenshilfe Wien ist es, ihnen weiterhin bei der Tagesgestaltung zu helfen und für den im Alter steigenden Pflegebedarf vorzusorgen.

Pilotprojekt Nauschgasse

Lebenshilfe-Wien-Obmann Meinhard Regler erklärt dazu: "Da nur wenige Menschen mit geistiger Behinderung die Nazizeit überlebt haben und daher bisher kaum Bedarf bestand, haben wir jetzt erstmals die Aufgabe, für die Nachkriegsgeneration von Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen die Betreuung im Alter zu organisieren. Und zwar nicht in Großheimen, in denen individuelle Bedürfnisse selten umsetzbar sind, sondern in einer kleinen, überschaubaren Struktur. "Das Senioren-Wohnhaus Nauschgasse ist das Pilotprojekt dazu", erklärt Projektleiter Hannes Traxler, einer der beiden Geschäftsführer der Lebenshilfe Wien. "Der Fonds Soziales Wien unter Peter Hacker hat uns dazu Mut gemacht und unterstützt uns nachhaltig im Betrieb des Wohnhauses."

Vor Jahrzehnten erbte die Lebenshilfe Wien von einem Gönner mehr als 2 Millionen Euro in heutigem Geld. Der Betrag wurde nicht in die laufende Vereinsarbeit gesteckt, sondern für spezielle Projekte zurückgelegt. Vor einigen Jahren hinterließ ein Gönnerehepaar der Lebenshilfe Wien das Gründstück der Nauschgasse, das sich nach genauer Prüfung als geeignet für das Pilotprojekt erwies. Ergänzt durch Einnahmen aus den Spendenaktionen des Vereins, abgesichert durch eine Wohnbauförderung der MA 50 und durch eine Förderzusage des Fonds Soziales Wien, konnten das Baubudget und die Einrichtungsaufwendungen von rund 3,3 Millionen Euro bedeckt werden. Der Vorstand der Lebenshilfe Wien gab daher im April 2009 grünes Licht für das Projekt.

Interessenvertretung lokal und international

Die Lebenshilfe Wien wurde 1961 als Elterninitiative gegründet und sieht sich heute als Interessenvertretung für Menschen mit intellektueller Behinderung und ihrer Angehörigen. (Dazu ist sie mit den Lebenshilfe-Vereinen in anderen Bundesländern in der Lebenshilfe Österreich verbunden.)

Vor dreißig Jahren wurde der Verein, der 1966 die erste betreute Werkstatt eingerichtet hat, vom damaligen Bürgermeister Leopold Gratz und Sozial- und Gesundheitsstadtrat Alois Stacher als Betreiber von Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe anerkannt.

1986 wirkte die Lebenshilfe Wien daran mit, dass das vom damaligen Gemeinderat Hans König vorgeschlagene Ausbauprogramm "1000 Wohnplätze für Behinderte" offizielles Planungsdokument der Stadtverwaltung wurde. Zu seiner Koordination wurde von Rathaus und Betreibervereinen die ARGE Wohnplätze gegründet. Die Lebenshilfe Wien engagiert sich aber auch in internationalen Dachverbänden für Menschen mit intellektueller Behinderung (Alt-Geschäftsführer Walter Eigner war Präsident der "Inclusion International"), und für die 2008 in Kraft getretene UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen.

Spatenstich mit Stadträtin Sonja Wehsely

Den offiziellen Spatenstich auf der Baustelle in der Nauschgasse nahm am 6.Juli Sozialstadträtin Sonja Wehsely vor. Gemeinsam mit ihr wünschten Peter Hacker (Fonds Soziales Wien), Heidi Tomacek (Sprecherin der Selbstvertreter/innen der Lebenshilfe Wien), Bezirksvorsteher Norbert Scheed und Meinhard Regler (Obmann der Lebenshilfe Wien) dem von Projektleiter Hannes Traxler erläuterten Vorhaben vollen Erfolg. Unter den interessierten Zuschauern des Spatenstichs befanden sich Klient/innen und Betreuer/innen der Lebenshilfe Wien, darunter zwei Menschen, die möglicherweise in das neue Senioren-Wohnhaus einziehen werden.

Rückfragen & Kontakt:

Bernhard Schmid
Generalsekretär der Lebenshilfe Wien
Tel.: 01-812-26-35/47
E-Mail: b.schmid@lebenshilfe-wien.at
Web: www.lebenshilfe-wien.at

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