OeNB - Globale Rezession und internationale Finanzmarktkrise fordern auch das österreichische Finanzsystem

Wien (OTS) - "Die Umsetzung des österreichischen Maßnahmenpakets zur Stärkung der Banken bzw. des Finanzplatzes Österreich ist im letzten halben Jahr gut vorangekommen und erhöht die Stabilität der Banken", stellte Gouverneur Nowotny anlässlich der Präsentation der 17. Ausgabe des Finanzmarktstabilitätsberichts der OeNB fest. "Angesichts der internationalen Dimension der Wirtschafts- und Finanzkrise steht das österreichische Finanzsystem jedoch vor einer erheblichen Herausforderung", ergänzte Direktor Ittner. Der rasante und scharfe Rückgang der Wirtschaft hat auch zu einer Verschlechterung der Kreditqualität bei den österreichischen Banken geführt. Daher sind steigende Wertberichtigungen zu erwarten.

Finanzmarktkrise beeinträchtigt Finanzierungsbedingungen und verursacht Bewertungsverluste
Die Weltwirtschaft befindet sich als Folge der globalen Wirtschafts-und Finanzkrise seit Herbst vergangenen Jahres in einer ungewöhnlich tiefen Rezession und wird im Jahr 2009 deutlich schrumpfen. Trotzdem hat sich die Lage auf den internationalen Finanzmärkten in den letzten Wochen dank der gemeinsamen energischen Anstrengungen von Regierungen, Zentralbanken, Finanzmarktaufseher und internationalen Institutionen wie IWF und Europäische Union tendenziell stabilisiert.

Die Finanzmarktkrise beeinträchtigt aber die Bedingungen für die Unternehmensfinanzierung erheblich. Zum einen kam die Mittelaufnahme auf dem Aktienmarkt praktisch vollkommen zum Erliegen. Zum anderen haben die Banken ihre Kreditstandards angehoben und differenzieren stärker nach Risikotragfähigkeit und wirtschaftlichen Aussichten von Kreditnehmern. Dank der Leitzinssenkungen der EZB haben sich im bisherigen Verlauf des Jahres 2009 aber die Finanzierungskosten für Unternehmen und Haushalte merklich verringert.

In den Portefeuilles der privaten Haushalte hinterließ die Krise ihre Spuren vor allem in Form erheblicher Bewertungsverluste bei Kapitalmarktveranlagungen. Diese vermindern aber nicht nur direkt das Geldvermögen, sie haben auch negative Auswirkungen auf die Tilgungsträger von Krediten. Die Kreditaufnahme der privaten Haushalte schwächte sich deutlich ab, insbesondere Fremdwährungskredite waren zuletzt rückläufig. Gleichzeitig bleibt der Bestand an Fremdwährungskrediten bei privaten Haushalten weiterhin sehr hoch.

Globale Rezession und Finanzmarktkrise treffen auch österreichische Banken
Die Finanzmarktkrise und die sich verschlechternde Wirtschaftslage haben die Ertragssituation der Banken deutlich beeinträchtigt. Vor allem Bewertungsverluste im Handelsergebnis und höhere Wertberichtigungen haben die Erträge vermindert. Nichtsdestoweniger war das österreichische Bankensystem aber in der Lage, das Jahr 2008 mit einem - wenn auch deutlich geschrumpften - Gewinn abzuschließen.

Einen wesentlichen Anteil daran hatten weiterhin die Aktivitäten des österreichischen Bankensektors in Zentral-, Ost- und Südosteuropa (CESEE). Diese Erträge kompensierten zu einem großen Teil die Ergebnisrückgänge in anderen Bereichen. Die konsolidierte Gesamtkapitalrentabilität der österreichischen Banken ging deutlich von 0,74% 2007 auf lediglich 0,09% 2008 zurück.

Allerdings hat sich angesichts der verschlechterten Konjunktur die Risikoeinschätzung der internationalen Finanzmärkten gegenüber dieser Region stark erhöht, wodurch das Engagement der österreichischen Banken in den CESEE-Ländern zunehmend in das Zentrum der kritischen internationalen Aufmerksamkeit geriet. "Diese Ländergruppe ist jedoch nicht als homogene Region zu sehen, vielmehr sind die einzelnen Länder in sehr unterschiedlichem Ausmaß von der Finanzmarktkrise betroffen. Zusätzlich haben die Unterstützungsmaßnahmen des IWF und der EU Vertrauen geschaffen und dazu beigetragen, die Entwicklungen dieser Länder zu stabilisieren", betonte Direktor Ittner.

In Österreich hat vor allem die Umsetzung des Bankenpakets dazu beigetragen, dass die Banken auf eine konjunkturbedingte Verschlechterung des Kreditportfolios gut vorbereitet sind. Seit dem vierten Quartal 2008 stiegen die Eigenmittel- und Kernkapitalquoten wieder leicht an, wozu sowohl Gewinne als auch eine Mittelzufuhr von außen - u.a. durch staatliches Partizipationskapital - beigetragen haben. Die Stress Tests der OeNB haben zudem gezeigt, dass auch bei einer nochmaligen deutlichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Entwicklung die Kapitalquoten aller größeren Banken über den gesetzlichen Mindestanforderungen bleiben. Aus heutiger Sicht ist somit kein weiterer Kapitalbedarf gegeben.

Ungeachtet dessen bleibt aber hohe Wachsamkeit geboten. Mittels regelmäßiger Stress Tests stellt die OeNB in einem umfassenden Monitoringprozess sicher, dass auf mögliche Probleme frühzeitig reagiert wird. Auf die hohe Professionalität der OeNB in dieser Hinsicht hat auch der IMF in seiner jüngsten Einschätzung hingewiesen.

Der halbjährlich erscheinende Finanzmarktstabilitätsbericht der OeNB enthält regelmäßige Analysen finanzmarktstabilitätsrelevanter Entwicklungen in Österreich und im internationalen Umfeld. Daneben werden im Rahmen von Schwerpunktartikeln auch gesonderte Themen behandelt, die im Zusammenhang mit der Stabilität der Finanzmärkte stehen. In der aktuellen Ausgabe sind dies die Modellierung von Kreditrisiken, die Ziele und potenzielle Zielkonflikte von EU-Bankenpaketen, die Bedeutung von Direktkrediten österreichischer Banken in CESEE, das Bankensystem und die Finanzmarktstabilität in Russland und im Euroraum sowie einen Überblick über die Effekte der Krise auf Österreichs Finanzsektor. Der Finanzmarkt-stabilitätsbericht ist auf der Website der OeNB unter www.oenb.at abrufbar.

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