Neues Volksblatt: "Fehlstart" (von Markus Ebert)

Ausgabe vom 3. Juli 2009

Linz (OTS) - Im Gewerkschaftsbund ist gestern ein Interregnum zu Ende gegangen. Nichts anderes nämlich war die Zeit von Rudolf Hundstorfer an der ÖGB-Spitze. Das heißt nicht, dass Hundstorfer den ÖGB im Zuge der BAWAG-Affäre nicht nach besten Kräften aus dem Schlamassel geführt hätte. Aber er war trotzdem der Masseverwalter einer Ära, die wohl Eingang in jedes Politiklehrbuch findet. Dass der ganze Stolz der Arbeitnehmervertreter, die Gewerkschaftsbank BAWAG, von ein paar nimmersatten Managern verzockt wurde, ist ein bitter-ironisches Kapitel in der Gewerkschaftsgeschichte.
Mit der Wahl Erich Foglars hat man diese Zeit hinter sich gelassen. Dass der Streikfonds wieder mit einem dreistelligen Millionenbetrag gefüllt sein soll, ist wohl nicht die zentrale Botschaft des ÖGB-Kongresses, aber doch eine sehr bewusste Ansage. Sie signalisiert: Wir sind wieder kampfbereit - eine Botschaft, die sich an die eigene Klientel ebenso richtet wie an die Arbeitgeber und die Politik. Dass die Regierung der Reibebaum Nummer 1 sein wird, ist keine gewagte Prophezeiung: Immerhin verschafft das die größte Aufmerksamkeit. Zeiten wie diese ausschließlich zur Schärfung des eigenen Profils zu nutzen, wäre freilich ein Fehlstart in eine neue Ära.

Rückfragen & Kontakt:

Neues Volksblatt
Chefredaktion
Tel. 0732/7606 DW 782
politik@volksblatt.at
http://www.volksblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NVB0001