Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Teures Billigfliegen"

Ausgabe vom 3. Juli 2009

Wien (OTS) - Neelie Kroes hat natürlich recht: Die EU-Kommissarin glaubt, dass die Fusion Lufthansa-AUA zu höheren Preisen und einem verringerten Flugangebot führen wird. Und bekämpft sie daher. Unbeantwortet lässt sie aber die daraus folgende Frage: Wie sonst bitte soll der katastrophale Sturzflug der AUA beendet werden? Durch weitere Steuermillionen für billige Tickets und leere Flugzeuge? Oder kennt Kroes gar ein Geheimrezept, das die kapitalen Fehler der Vergangenheit nichtig machen könnte? Nämlich die von feigen Politikern zu spät gestartete Privatisierung; die von weltfremden Sozialpartnerchefs durchgesetzten Lohnlasten auf der AUA; oder die freimaurerisch geförderte Belastung der AUA durch die Schulden der Lauda-Linie?

Auch für EU-Kommissarinnen sollte die Naivität Grenzen haben.

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Kaum hat die EU mit Schweden ein neues Vorsitzland, werden alle Botschafter aus Honduras abgezogen. Die - in Drittwelt-Dingen immer besonders blauäugigen - Nordmänner geben nämlich vor zu wissen, dass in jenem Land die Verfassung verletzt wird. Wobei es die Stockholmer "Experten" nicht kümmert, dass sowohl das Höchstgericht von Honduras wie auch dessen (demokratisch gewähltes) Parlament die Lage ganz anders sehen.

Im Grunde spricht aus der diplomatischen Kriegserklärung gegen jenen Kleinstaat nur billiger Hochmut westlichen Gutmenschentums. Wäre es nämlich anders, müssten die Schweden (und die EU) auch genauso energisch gegen andere rechtlich viel bedenklichere "Wahlen" und Präsidenten - beispielsweise in Iran, Belarus oder China -vorgehen. Angesichts stärkerer Staaten dominieren jedoch die wirtschaftlichen und politischen Eigeninteressen total über alle Prinzipien.

Daher stößt einem die Moralinsäure gegenüber dem Zwerg Honduras doppelt scharf auf.

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Die Grünen fordern wieder einmal die Abschaffung von Klassenwiederholungen - nach dem alten (auch von den Unis her bekannten) grünen Prinzip: Nur keine Leistung! Sonst könnten ja die Bürger am Ende gar die vielen grünen Schlagworte zu hinterfragen beginnen. Die komprimiert so lauten: Atome, Gene, Hormone, Heterosexuelle, Fleisch, Männer, Faschisten, Pelze, Industrie, Inländer, Christen, Technik, Autos - alles pfui.

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