Österreichischer Bürgermeistertag diskutiert Energiepotenziale im ländlichen Raum

Modell Güssing und Energieinstitut Vorarlberg als Paradebeispiele präsentiert

Wieselburg (OTS/AIZ) - ~

Unter dem Motto "Das Land steckt voller
Energien - Potenziale fördern und nutzen" fand heute im Rahmen der Wieselburger Messe der Österreichische Bürgermeistertag statt. Forum Land-Obmann Fritz Grillitsch und Sixtus Lanner, Obmann der ARGE ländlicher Raum, betonten aus Sicht der Veranstalter, es gehe angesichts des Klimawandels und der Knappheit fossiler Ressourcen mehr denn je darum, die jeweiligen Chancen der einzelnen Gemeinden im Energiebereich zu erkennen und konsequent umzusetzen. Als Vorzeigeprojekte wurden dazu das mittlerweile über die Grenzen Europas hinaus bekannte Modell Güssing und das in Vorarlberg entwickelte Förderprogramm e5 vorgestellt. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner zeigte sich von den präsentierten Beispielen begeistert, gab aber zu bedenken, dass die Erreichung der österreichischen Energieziele nicht leicht sein werde und auch die Zusammenstellung des Energie-Mixes einen großen Diskussionsaufwand erfordere. Was das Ökostromgesetz betreffe, so müsse man die Zustimmung der EU-Kommission abwarten.

Modell Güssing: In 15 Jahren über tausend neue Arbeitsplätze geschaffen

Wie man es durch konsequente Nutzung der vorhandenen natürlichen Ressourcen schafft, zum Paradebeispiel im Bereich erneuerbare Energie zu werden und gleichzeitig viele Arbeitsplätze in der Region zu schaffen, das erläuterte Peter Vadasz, Bürgermeister von Güssing. Der an der Grenze zu Ungarn gelegene Bezirk habe vor Jahrzehnten keine größeren Gewerbe- und Industriebetriebe vorweisen können, und auch eine Verkehrsinfrastruktur sei kaum vorhanden gewesen. Aufgrund der geringen Beschäftigungschancen sei die Abwanderung dramatisch hoch gewesen, berichtete Vadasz.

Also habe man aus den zur Verfügung stehenden Energieressourcen -Sonne, Wald und landwirtschaftliche Nutzpflanzen - das Bestmögliche gemacht. 1989 wurde ein Energiekonzept für Güssing erstellt, 1991 eine Biodieselanlage gebaut und 1996 eine große Fernwärmeanlage geschaffen. 2000 folgte das Biomasse-Kraftwerk als Forschungs- und Pilotanlage, zwei Jahre später ein Technologiezentrum und im Jahr 2005 eine Photovoltaik-Anlage. Nachdem man den Durchbruch in der Biogastechnik geschafft hatte, wurde auch dieser Bereich forciert, heuer soll noch eine Anlage entstehen. Mittlerweile werden im Bezirk alle relevanten Formen erneuerbarer Energie genutzt beziehungsweise erforscht. Die Zukunft liegt laut Vadasz in der thermischen Vergasung, dieses Gas kann auch in Brennstoffzellen verwendet werden.

Zusätzliche Wertschöpfung

Mittlerweile verzeichnet die Stadt Güssing durch den Boom im Bereich regenerativer Energien 50 neue Betriebsansiedlungen, mehr als 1.100 neue Arbeitsplätze und ein zusätzliches Nettoeinkommen von EUR 9 Mio. pro Jahr. Der Umsatz mit Energie beläuft sich jährlich auf EUR 13 Mio., allein der Holzverbrauch für Energie hat sich auf 44.000 t erhöht. Der Wärmebedarf der Stadt kann zu 99% aus ökologischen Quellen gedeckt werden, der Stromverbrauch der privaten Haushalte sogar zu 150%. Dem entsprechend sanken auch die CO2-Emissionen. Die zusätzliche Wertschöpfung des Bezirkes Güssing konnte durch die 47%ige Eigenversorgung mit Erneuerbaren auf EUR 20 Mio. angehoben werden. Pro Woche kommen bereits zwischen 600 und 1.000 Besucher aus aller Welt, um sich über das Modell Güssing zu informieren. Jede Gemeinde könne im Energiebereich von diesem Vorzeigebeispiel etwas lernen, so Vadasz, es müsse aber jeder für sich entscheiden, was man aufgrund der gegebenen Rahmenbedingungen auch umsetzen könne.

Trainer für energiebewusste Gemeinden

Diese Meinung vertrat auch Karl-Heinz Kaspar vom Energieinstitut Vorarlberg. Es gebe mittlerweile jede Menge Ideen, um den Energieverbrauch zu senken, die Effizienz zu erhöhen und regenerative Rohstoffe einzusetzen. Daher sei es umso wichtiger, den Gemeinden dabei zu helfen, für sich die jeweils richtige Strategie und einen Maßnahmenmix zu erarbeiten und auch umzusetzen, so Kaspar. Seit zehn Jahren betreibt sein Institut im Auftrag der Landesregierung das Förderprogramm "e5 - energieeffiziente Gemeinden", an dem sich mittlerweile 27 von insgesamt 96 Kommunen im Ländle beteiligen, sie repräsentieren immerhin 60% der Bevölkerung dieses Bundeslandes.

"e5" bedeutet, dass fünf Stufen bei der Umsetzung von möglichen Maßnahmen im Bereich Energiesparen, Ökoenergie und Klimaschutz erreicht werden können. Das Institut begleitet die Gemeinden dabei, berät bei Planung und Umsetzung und sorgt auch für die Kontrolle. Ein Erfolgsfaktor liegt dabei laut Kaspar in der Kooperation mehrerer Gemeinden, weil man durch den Erfahrungsaustausch eventuelle Fehler verhindern könne. Anhand der drei Gemeinden Lustenau, Wolfurt und Langenegg erörterte der Referent, wie man durch Teamarbeit in den Bereichen Raumplanung, Mobilität, Kommunikation, Versorgung/Entsorgung, Bauten, Energiebereitstellung große Erfolge beim Klimaschutz erzielen und dabei auch international als Modellregion auftreten kann. In Österreich beteiligen sich bereits sechs Bundesländer an "e5", in Europa sind es an die 600 Gemeinden. "Drei Vorarlberger Kommunen konnten sich beim European Energy Award im Spitzenfeld positionieren", verwies Kaspar auf einen weiteren Erfolg.

Mitterlehner: Energiestrategie umsetzen

Minister Mitterlehner zeigte sich beeindruckt von den zahlreichen Initiativen in den ländlichen Regionen. Auf bundespolitischer Ebene gehe es derzeit darum, die Weichenstellungen für eine klimafreundliche Politik im Rahmen der Energiestrategie Österreich vorzunehmen. Dies basiere auf den drei Säulen Energieeffizienz, regenerative Energie und Versorgungssicherheit unter Beachtung der Kosteneffizienz und der Umweltschonung. Der Startschuss sei im April 2009 erfolgt, bis Ende Juni seien die Teilnehmer der Arbeitsgruppen benannt worden und bis Ende Oktober sollten in den verschiedenen Sitzungen die umsetzbaren Maßnahmen fixiert werden. Im Jänner 2010 werde dann die Energiestrategie präsentiert, so Mitterlehner. Allein die bisherigen Diskussionen über den anzustrebenden künftigen Energiemix zeigen schon, dass es nicht einfach sein werde, zu einem für alle Beteiligten akzeptablen Ergebnis zu kommen.

Der Minister bekannte sich zu dem Ziel, bis 2020 in Österreich den Anteil erneuerbarer Energieträger von 23 auf 34% anzuheben. Aber auch dann würden immer noch 66% auf fossile Rohstoffe entfallen, gab er zu bedenken. Die Elektrizität wiederum repräsentiere 20% des Energieverbrauches und komme zu 60% aus regenerativen Quellen, davon allerdings zu 90% aus Wasserkraft. Der Ausbau erneuerbarer Energieformen werde auch durch gewisse Rahmenbedingungen gebremst. So wären etwa zusätzliche Wasser- oder Windkraftwerke nicht ohne weiteres zu errichten, hier bestünden Einschränkungen bei den Standorten. Finanzielle Grenzen seien zurzeit bei der thermischen Sanierung feststellbar, weil hier die Mittel für die Aktion bereits erschöpft seien, das Interesse aber ungebrochen groß. Im Ökostrombereich müsse die Zustimmung der EU-Kommission abgewartet werden.

Generell spreche er sich aber dafür aus, die vorhandenen Potenziale erneuerbarer Ressourcen im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu nutzen. Dies bedeute eine höhere Wertschöpfung im Inland, weniger Importabhängigkeit und einen Technologie-Vorsprung und trage zur Erreichung der Klimaziele bei, sagte Mitterlehner. Österreich zähle bereits jetzt zu den Vorreitern in diesem Bereich und sei auch eine internationale Drehscheibe in Energiefragen.
(Schluss) kam

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