Schmied und Hahn: OECD-Bericht bietet Grundlage für faktenorientierte Bildungspolitik.

Die Empfehlungen der internationalen Organisation bestätigen weitgehend die Vorhaben der Regierung

Wien (OTS) - Der heute im Bundeskanzleramt präsentierte OECD-Wirtschaftsbericht für Österreich beleuchtet schwerpunktmäßig auch das Bildungssystem. OECD Bildungsdirektorin Barbara Ischinger unterstrich die "bemerkenswerte Erfolge" des Bildungssystems, das allerdings mit neuen Herausforderungen konfrontiert sei. Die Bundesregierung habe dafür ein ambitioniertes Programm zur Reform des Bildungssystems vorgelegt. "Wir ermutigen die Regierung, hier fortzufahren."

Denn Österreich verzeichne auch noch Schwachstellen. Diese ortete die OECD bei der Vorschulerziehung, die sozial schwache Kinder und solche mit Migrationshintergrund nicht ausreichend erreiche, bei der ungünstig frühen Selektion in der Sekundarstufe und bei der Qualität der Studienplätze an den Universitäten.

Unterrichtsministerin Claudia Schmied begrüßte den vorliegenden Bericht: "Er zeigt die Ansatzpunkte für die Bildungsreform und bestätigt den eingeschlagenen Weg." Die Forderung nach einer Ausweitung der gemeinsamen Schulbildung werde mit der Neuen Mittelschule bereits umgesetzt. "Im Herbst verdreifachen wir die Standorte.", sagte Schmied, über 20.000 Schülerinnen und Schüler würden dann von der Neuen Mittelschule profitieren. "2013 werden wir vor der Grundsatzentscheidung stehen. Bis dahin werden die Standorte weiter ausgebaut und die Ergebnisse evaluiert sein."

"Die Qualitätssteigerung durch kleine Klassen und Individualisierung des Unterrichts wird 2010 alle Pflichtschulstufen erreicht haben", so Schmied, die Qualitätsstandards für die neue Matura würden zum ersten Mal im Schuljahr 2013/2014 eingesetzt.

Die Forcierung der frühkindlichen Förderung sei für die gesamte Bundesregierung ein zentrales Anliegen. Schmied "Wir starten bereits im Herbst mit dem verpflichtenden Kindergartenjahr, die Ausbildung der KindergartenpädagogInnen soll im Zuge der gemeinsamen Ausbildung aller PädagogInnen auf höchstes Niveau gehoben werden. Der Kindergarten muss zum Bildungsgarten werden."

In diesem Zusammenhang müsse auch das Thema Integration zentrale Aufgabe des Bildungssystems werden. "Deshalb lege ich besonderen Wert auf Sprachförderung, jedes Kind muss vor Eintritt in die Schule die deutsche Sprache beherrschen", betonte die Unterrichtsministerin.

Die Empfehlungen der OECD zeigten, "dass wir in die richtige Richtung agieren. Ich fühle mich gestärkt und unterstützt." Denn der Bericht beleuchte auch, dass faktenorientierte Bildung gebremst wird, wenn Machtbereiche von Interessensgruppen tangiert werden. "Doch wir stehen vor großen strategischen Herausforderungen: Ein leistungsorientiertes Dienst- und Besoldungsrecht, die Beseitigung von Doppelgleisigkeiten bei der Schulverwaltung und die klare Regelung der Schnittstellen zwischen Schule und Verwaltung." Dazu gehöre auch mehr Verantwortung für die Schulen. "Die Schulleiter sollten künftig als Schulmanager mit Personal- und Finanzverantwortung agieren können!" so Schmied.

Auch Wissenschaftsminister Johannes Hahn dankte für den OECD-Bericht, der eine gute Grundlage für die Politik liefere. Er wünsche sich auch in der Regierung "eine entideologisierte und faktenorientierte Bildungspolitik." Die Empfehlung der OECD, dass Universitäten ihre Studierenden selbst auswählen und Studiengebühren erheben dürfen, müsse, so Hahn neuerlich diskutiert werden. Das vorgeschlagene Kreditmodell sei ebenso überlegenswert, schließlich würden Universitätsabgänger später besser verdienen und seltener arbeitslos:
"Eines ist eindeutig: Bildung schützt vor Arbeitslosigkeit. Absolventen von Fachhochschulen seien nur zu 0,4 Prozent von Arbeitslosigkeit betroffen, Pflichtschulabgänger zu 18 Prozent", sagte Minister Hahn.

Die zusammengefassten OECD-Anregungen:

Die vorschulische Bildung weist im internationalen Vergleich einige Schwächen auf. Die Kindergruppen waren relativ groß und sozial benachteiligte Kinder, einschließlich Kinder von Migranten, waren in der Vorschulerziehung unterrepräsentiert. Das verpflichtende Kindergartenjahr war ein erster wichtiger Schritt, die OECD empfiehlt, dieses Angebot weiter auszubauen und das Angebot für Kinder ab dem 3. Lebensjahr zu erhöhen. Dieses Angebot sollte sich auf Kinder aus sozial benachteiligten Familien und auf Kindern mit Migrationshintergrund konzentrieren. Gleichzeitig wird empfohlen, dass für die vorschulische Bildung angemessene Qualitätsstandards entwickelt und umgesetzt werden.

2. Grund- und Sekundarstufe

In der Grund- und Sekundarstufe hat Österreich mit der Einführung der "Neuen Mittelschule" damit begonnen, die im internationalen Vergleich frühe Aufteilung der Schülerinnen und Schüler auf verschiedene Schulzweige aufzuweichen. Der Bericht empfiehlt, dass die für diese Reform nötigen Ressourcen an Lehrkräften und Schulinfrastruktur bereitgestellt werden. Angesichts sinkender Schülerzahlen könnten diese Mittel zu einem großen Teil durch einen effektiveren Einsatz der Lehrkräfte und durch eine Anpassung der Schulinfrastruktur aufgebracht werden.

Gleichzeitig unterstützen die OECD die Einführung von nationalen Bildungsstandards in die Lehrpläne. Vergleichende Tests sollten zur regelmäßigen Überprüfung dieser Standards etabliert werden.

3. Tertiäre Bildung

Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, einer möglichst großen Zahl junger Menschen eine hochwertige tertiäre Ausbildung zu ermöglichen. Unter den gegebenen Bedingungen scheint dies allerdings schwierig. Derzeit müssen die Universitäten alle qualifizierten Bewerber für die Studiengänge und Fächer ihrer Wahl aufnehmen, ohne selbst eine Auswahl treffen zu können und ohne die Studierenden an den Kosten zu beteiligen.

Der Wirtschaftsbericht empfiehlt deshalb, dass zukünftig auch Universitäten ihre Studierenden selbst auswählen und Studiengebühren erheben dürfen. Um eine Selektion nach sozialem Hintergrund und finanziellen Ressourcen zu verhindern, sollte ein umfassendes Stipendiensystem und einkommensabhängige Studienkredite eingeführt werden.

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Sprecher der Bundesministerin Dr. Claudia Schmied
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E-Mail: Nikolaus.Pelinka@bmukk.gv.at

Elisabeth Grabenweger
Sprecherin des Bundesministers Dr. Johannes Hahn
BM für Wissenschaft und Forschung
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