- 02.07.2009, 11:46:17
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Essen und Trinken in den Öffis
Kein Ess- und Trinkverbot bei den Wiener Linien.
Wien (OTS) - Die Wiener Linien setzen auf Aufklärung statt
Verbote. Die im Frühjahr durchgeführte repräsentative
Fahrgasterhebung brachte keine deutlichen Präferenzen für ein Ess-
oder Trinkverbot. Daher rufen die Wiener Linien zum "freiwilligen
Verzicht" auf. Eine entsprechende Kampagne startet im Herbst.
"Die Wiener Linien sind ein Dienstleistungsunternehmen und kein
Unternehmen, das gesellschaftliche Normen diktiert oder bestimmtes
Sozialverhalten ‚verbietet’. Solange sich nicht eine signifikante
Mehrheit der Fahrgäste von mehr als 80 Prozent auch dement¬sprechend
deutlich gegen Essen und Trinken in den Garnituren und Stationen der
Wiener Linien ausspricht, werden wir dies auch nicht verbieten,
sondern versuchen, mit positiven Maßnahmen und Aufklärung einen
freiwilligen Verzicht und mehr Rücksichtnahme auf Mitmenschen,
Umgebung und Umwelt zu erreichen. Das gilt nicht nur für Essen und
Trinken, sondern auch für andere Schmutz verursachende
Verhaltensweisen, Lärmen oder andere störende Aktivitäten", fasst der
Geschäftsführer der Wiener Linien, Dr. Michael Lichtenegger, die
Erkenntnisse aus der Fahrgasterhebung, der internen Diskussionen und
eines langen Meinungsbildungsprozesses mit dem Fahrgastbeirat
zusammen.
Keine deutliche Präferenz für Ess- und Trinkverbot
"Vereinfacht gesagt registriert man aufgrund der Erhebung bei den
über 40 jährigen eine Präferenz für ein Ess- und Trinkverbot im
Verhältnis von 70:30. Bei den 30 bis 40 jährigen sind es nur mehr 60
Prozent Befürworter, bei den unter 30 jährigen sind es 50 Prozent,
bei weiterhin sinkender Tendenz bei Jugendlichen.
Sauberkeit würde erhöht
Fragt man ab, ob ein Essverbot die Sauberkeit in den Wiener Linien
wesentlich verbessern wird, so kommt man auf einen Mittelwert von
2,45 auf einer Skala von 1 (trifft sehr zu) bis 6 (trifft gar nicht
zu). Dieses Ergebnis zeigt zwar den Wunsch nach mehr Sauberkeit, die
auch durch klare Regeln und deren Einhaltung erreicht werden soll,
ist aber trotzdem kein deutliches Votum und auch nicht über alle
Generationen hinweg gleich ausgeprägt", so Lichtenegger, der ins
Detail geht: "Der Mittelwert ist tendenziell schlechter, wenn man
kombiniert nach einem Ess- und Trink¬verbot fragt: 2,62. Er
verschlechtert sich zudem auf 2,87, wenn man nach den Auswirkungen
eines ausschließlichen Trinkverbotes auf die Sauberkeit fragt."
Zudem wird Schmutz von den Fahrgästen nicht ausschließlich mit Essen
und Trinken assoziiert. Die Hälfte der Befragten nennt - und zwar
konstant durch alle Altersgruppen - Papiermüll, Graffiti und
Schmierereien als "Schmutzträger".
Zur Systematik der Fahrgasterhebung
Die Erhebung wurde ausschließlich bei Jahreskartenbesitzern
durchgeführt, bei einem Sample von 30.000 Personen, repräsentativ für
die mobile Wiener Bevölkerung. "In Wien sind etwa 25 Prozent der
Bewohner Jahreskartenbesitzer und etwa 80 Prozent der Vielfahrer
Jahres- oder Dauerkartenbesitzer. Sie sind auch das meinungsbildende
Segment. Deshalb haben wir gemeinsam mit dem untersuchenden Institut
Makam Market Research die Befragung auf die Stammgäste fokussiert",
so Lichtenegger. "Wir haben bewusst eine ‚weichere’ Fragestellung
gewählt, um nicht eine emotional dominierte Justament-Position zu
erheben, sondern tiefer sitzende Sympathien für die eine oder andere
Vorgangsweise zu erfragen", so Lichtenegger weiter.
Aufklären statt verbieten
"Die Wiener Linien als Unternehmen, das im öffentlichen Raum agiert,
achten die Freiheit des Individuums. Wir erwarten aber auch, dass
sich der Einzelne an Gesetze und Regeln hält und den jeweils anderen
respektiert. Schließlich glauben wir an die Kraft der Aufklärung", so
Lichtenegger, "Essen und Trinken sind Grundbedürfnisse. Ebenso wie
das Kommunizieren im öffentlichen Raum."
"Solange sich nicht eine deutliche Mehrheit - und mit deutlich
meinen wir mehr als 80 Prozent - gegen Essen und Trinken ausspricht,
werden wir es auch nicht verbieten. Aber wir werden
Aufklärungsmaßnahmen setzen und gemeinsam mit der Wirtschaft
Alternativen anbieten. Wir vertrauen auf die Vernunft unserer Kunden
und darauf, dass die bei weitem überwiegende Mehrheit für ein
respektvolles Miteinander und zivilisierten Umgang im Alltag ist",
resümiert Lichtenegger.
Internationale Beispiele belegen: Globale Verbote werden kaum
ausgesprochen.
• London: ausschließlich Alkoholverbot.
• Berlin: Ess- und Trinkverbot. In der Praxis herrscht
Laissez-faíre. Gestraft wird nicht.
• Zürich: kein Verbot.
• Brüssel: Ess- und Trinkverbot in Fahrzeugen, geregelt durch
übergeordnetes belgisches Recht.
• Barcelona: kein Verbot.
• Paris: kein Verbot.
• München: ausschließlich Alkoholverbot nur in Stationen,
unterstützt durch eine Bewusstseinsbildungskampagne zum Thema
"Rücksichtsvolles Verhalten".
• Tokyo: kein Verbot (in Japan wird im öffentlichen Bereich ohnehin
kaum konsumiert).
• Singapur: Ess- und Trinkverbot
Fazit: Nur eine Minderheit der Städte setzt auf Verbote, vorwiegend
auf Alkoholverbot. Die meisten Verkehrsunternehmen appellieren an die
Vernunft, gelerntes gutes Benehmen und Rücksichtnahme auf die
Mitmenschen.
Positiv und motivierend agieren
Die Wiener Linien starten ab Herbst 2009 mit einer umfassenden
Positiv- und Aufklärungskampagne, die nicht nur das Thema Essen und
Trinken in den öffentlichen Verkehrsmitteln anspricht, sondern auch
für Sauberkeit und rücksichtsvolles Verhalten wirbt.
"Wir rufen - in unterschiedlichen Informations- und Werbemitteln -
zum freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken auf. Wir weisen
darauf hin, wie wichtig der Faktor Sauberkeit für die Wiener Linien,
ihre Fahrgäste und für die Allgemeinheit ist. Aufgabe dieser Kampagne
wird es auch sein, den Menschen bewusst zu machen, was die Wiener
Linien in Sauberkeit investieren und welcher Aufwand dahintersteckt,
um den Fahrgästen Stationen und Fahrzeuge anbieten zu können, in
denen sie sich wohl fühlen", so Lichtenegger.
Gleichzeitig setzen die Wiener Linien weiterhin auf verstärkte
Maßnahmen für mehr Sauberkeit in den Stationen und Fahrzeugen. Eine
umfassende Sauberkeits-Offensive ab Beginn 2008 hat bereits gute
Erfolge gebracht. Das honorieren auch die Fahrgäste in einer
aktuellen Befragung durch einen unabhängigen Meinungsforscher
(Socialdata). Beim Zufriedenheitsindex "Sauberkeit in den
Haltestellen/Stationen" haben die Wiener Linien innerhalb eines
Jahres 10 Prozentpunkte zugelegt. "Wir werden unsere im Jahr 2008
gestartete Sauberkeitsoffensive fortsetzen. Dazu gehören
beispielsweise eine schnelle ‚Eingreiftruppe’ für U-Bahn-Stationen,
besonderes Augenmerk auf die Fahrzeugreinigung oder eine verstärkte
Bodenreinigung in den Fahrzeugen. Vor dem Hintergrund dieser
Aktivitäten appellieren wir an unsere Fahrgäste, auf Essen und
Trinken zu verzichten und so aktiv dazu beizutragen, dass alle
Fahrgäste in den Öffis sich wohl fühlen können", so Lichtenegger.
Wettbewerbsfähigkeit nicht beeinträchtigen
Lichtenegger verweist zudem auf ökonomische Faktoren: "Tatsache ist,
dass die vielen Gastro- und Handelsbetriebe, die sich bewusst in
U-Bahn- und Verkehrsknotennähe angesiedelt haben, ein
Wirtschaftsfaktor sind und Arbeitsplätze schaffen. Ebenso ist es ein
gesellschaftlicher Trend, dass die Menschen ihr Frühstück oder ihre
Zwischendurchnahrung "on the road", also im Vorübergehen, zu sich
nehmen. Dieser Trend ist nicht mehr aufzuhalten, hier kann man
bestenfalls noch lenkend eingreifen und versuchen ein Bewusstsein für
mehr Rücksichtnahme auf andere zu schaffen.
Faktum ist aber auch, dass wir den Öffis durch rigorose und streng
sanktionierte Ess- und Trinkverbote keine Wettbewerbsnachteile zur
PKW- und Individualmobilität auferlegen wollen. Denn im PKW
kontrolliert wirklich niemand."
"Ich bin sicher", so Lichtenegger abschließend, "dass die Wienerinnen
und Wiener bereit dafür sind - unterstützt durch unsere Appelle und
Aufklärungsarbeit - von sich aus den besten Weg zu einem guten
Miteinander und zur Rücksichtnahme sowohl auf die mitfahrenden
Fahrgäste als auch auf Fahrzeuge und Stationen einzuschlagen."
(Schluss) wstw
Rückfragehinweis:
Wiener Linien GmbH & Co KG Pressestelle Mag. Michael Zentner Tel.: (01) 7909 - 42201 Fax: (01) 7909 - 42209 mailto: [email protected] http://www.wienerlinien.at
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