Österreich: Tierversuche abermals gestiegen - eine Schande für Wissenschaft und Politik

Wien (OTS) - Wie der Ende Juni im "Amtsblatt der Wiener Zeitung" veröffentlichten Tierversuchsstatistik 2008 zu entnehmen ist, wurden in Österreich im Vorjahr an 220 456 lebenden Wirbeltieren und an 247 erneut verwendeten Tieren qualvolle Experimente und Tests durchgeführt. Dies stellt gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von über 11% und gegenüber dem Jahr 1999, seit dem die Tierversuche in Österreich wieder kontinuierlich ansteigen, eine Zunahme von fast 70% dar.

"Diese Zahlen sind eine Schande für die Politik, die zuständigen Behörden und die tiergestützte Wissenschaft, deren Beteuerungen der Öffentlichkeit weis machen wollen, größtmögliche Anstrengungen zu unternehmen, um die Tierversuche zu reduzieren", sagt Gerda Matias, Präsidentin des "Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner" (IBT), angesichts des erneuten Anstiegs der Tierversuche, der dem Auftrag des Tierversuchsgesetzes, wonach Tierversuche zu verringern sind, seit bald einem Jahrzehnt völlig zuwiderläuft.

Tatsächliche Anzahl um Vielfaches höher

Dabei ist die Situation der Versuchstiere ist in Österreich noch weit schlimmer als die offizielle Statistik darlegt. Denn die Zahlen der Tierversuchsstatistik entsprechen nicht der tatsächlichen Anzahl der Tiere, die in den Labors umkommen.Dies deshalb, weil gemäß der gesetzlichen Definition nur jene Wirbeltiere als Versuchstiere gelten und zählen, an denen lebend die Experimente durchgeführt werden und von denen der Experimentator annimmt, dass sie für die Tiere mit großen Qualen, Schmerzen und Leiden verbunden sind.

Eingriffe an lebenden Wirbellosen, an eigens getöteten Wirbellosen, an eigens etwa für Gewebeentnahmen getöteten Wirbeltieren und an lebenden Wirbeltieren, von denen der Experimentator meint, dass sie für die Tiere nicht mit großen Leiden und Schmerzen verbunden sind, gelten überhaupt nicht als Tierversuche: Sie müssen weder gemeldet noch genehmigt, geschweige denn statistisch erfasst werden.

Trauriger Rekord an Mäusen

Einen traurigen Rekord bei den verbrauchten Tierarten hält nach wie vor die Maus. Im Jahr 2008 wurden an 177.544 und an 61 erneut verwendeten lebenden Mäusen, um über 19.000 mehr, Experimente durchgeführt. An zweiter Stelle rangieren die Kaninchen mit 18.761, gefolgt von den Ratten mit 9.928 und 20 erneut verwendeten, wobei es bei diesen beiden Tierarten einen leichten Rückgang zu verzeichnen gibt.

Der größte Zuwachs, fast 350 %, ist bei Hamstern und bei Schweinen mit einem Plus von über 300 % auszumachen. Als neue Tierart für Versuche scheint der Marder auf. Auch an Wachteln wurden wieder Experimente durchgeführt. Nach wie vor wurden Meerschweinchen, Fische, Rinder, Amphibien, Schafe, Pferde, Eseln, Hunde, Ziegen, Reptilien und Katzen verwendet.

Die meisten Tierversuche, nämlich 83.174, wurden - wie schon im Vorjahr auch - zur Forschung und Entwicklung für Produkte und Geräte der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin durchgeführt, gefolgt von den Tests an 70.428 Tieren zur Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human- und Zahnmedizin, die sich gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt haben. Für Biologische Untersuchungen im Bereich der Grundlagenforschung mit 54.423 Tieren ist eine Steigerung um fast 30 % auszumachen.

Zur Krankheitsdiagnostik wurden 1.297 Tiere eingesetzt und für die Allgemeine und Berufliche Bildung mussten trotz ausreichender Ersatzmethoden 1.931 Tiere leiden und sterben - um fast 12 % mehr als im Vorjahr.

Bei Versuchen im Zusammenhang mit menschlichen Krankheiten wurden für Krebserkrankungen 23.426, für Herz-Kreislauf-Erkrankungen 7.051 (das sind im Vergleich zum Vorjahr fast doppelt so viele) und für Nervenleiden und Geisteskrankheiten 5.804 Tiere verwendet.
An 8.052 Tieren wurden, um 68 weniger als im Vorjahr, die immens belastenden Toxizitätsprüfungen durchgeführt.

Einzig erfreulich: Es wurden keine experimentelle Eingriffe an Affen (im Vorjahr wurden noch 75 Meerkatzen verwendet) und keine Toxizitätstests an Tieren für Produkte bzw. Stoffe durchgeführt, die als Lebensmittelzusatzstoffe, als Futtermittelzusatzstoffe, als Kosmetika, im Haushalt, in der Landwirtschaft und in der Industrie verwendet werden.

Zentrale Forderung: Keine Förderung von Tierversuchen

Die TierversuchsgegnerInnen verlangen die Durchsetzung von Maßnahmen, die endlich eine Verringerung von Tierversuchen herbeiführen können. Sie fordern, dass Projekte, die Tierversuche beinhalten, nicht länger mir öffentlichen Mitteln unterstützt werden. Denn so lange für die Finanzierung von Tierversuchen ein Vielfaches von dem ausgegeben wird, was für die Entwicklung von Ersatzmethoden zur Verfügung steht, kann es zu keiner wesentlichen Reduktion der Tierversuche kommen.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Romana Rathmanner
Internationaler Bund der Tierversuchsgegner (IBT)
Tel.: 0676/583 67 62
rathmanner@tierversuchsgegner.at
Homepage: www.tierversuchsgegner.at

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