Ärztekammer lehnt Bachelor-Studium an Medizinunis ab

Gesetzlicher Ausschluss gefordert - einheitliches, wissenschaftliches Studium beibehalten

Wien (OTS) - Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) lehnt die Einführung eines Bakkalaureat-Studiums an den medizinischen Universitäten ab und fordert die Beibehaltung des einheitlichen und einstufigen Medizinstudiums auf hohem Niveau. In einer am Freitag beschlossenen Resolution plädiert die ÖÄK-Vollversammlung für eine gesetzliche Regelung, welche die Zweiphasigkeit des Medizinstudiums dezidiert ausschließt und an der gegebenen wissenschaftsbasierten Studienordnung mit dem Abschluss des Dr. med.univ. festhält.

In der Begründung heißt es, dass das Bakkalaureat-Studium zu einer Verknappung von Plätzen für das Medizinstudium führe, die dringend für die Ärzteausbildung benötigt würden. Diese Entwicklung erzeuge mittel- bis langfristig Ärztemangel, da Anwärter für ein reguläres Medizinstudium angesichts längerer Wartezeiten ins Ausland ausweichen könnten. Auch gebe es für ein Bachelor-Studium keinen Bedarf, der sich in einem konkreten Berufsbild auf dem Arbeitsmarkt niederschlage. Daraus folge zwingend ein Bedürfnis der Absolventen nach Tätigkeitsfeldern, die weder sinnvoll noch nachgefragt seien. Die Ausgaben für ein Medizinstudium lägen international über den Kosten anderer Studien. Da aber ein Bachelor-Abschluss zu keinerlei Berufsberechtigung führe, seien die Aufwände dafür nicht zu rechtfertigen.

Das EU-Recht sehe ein einstufiges, sechs Jahre oder zumindest 5.500 Stunden dauerndes theoretisches und praktisches Medizinstudium vor. Nur eine nach diesen Regeln in einem EU-Staat absolvierte Ausbildung werde automatisch in allen anderen EU-Staaten anerkannt und berechtige zur ärztlichen Tätigkeit im gesamten EU-Raum. Damit würde der Grundsatz der Niederlassungsfreiheit erfüllt, ein zweiphasiges Medizinstudium bringe daher keinerlei Nutzen.

Zuletzt argumentiert die Resolution der ÖÄK-Vollversammlung, dass auch bei anderen Studien, welche die Bologna-Kriterien bereits umgesetzt hätten, große Ernüchterung eintrete. Darüber hinaus verzeichne man in Deutschland hohe Abbrecherquoten beim Bachelor-Studium Medizin. In 19 europäischen Ländern hätte man die Einführung des zweiphasigen Medizinstudiums gesetzlich ausdrücklich untersagt, heißt es abschließend in der Resolution. (ms)

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