WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ausbruch aus dem Gefangenendilemma - von Alexis Johann

Solange wir auf Basel II- Reformen warten, leidet die Wirtschaft

Wien (OTS) - Wer an einem verregneten Samstag einen Parkplatz in
der Shopping City Süd sucht, wird den gestern präsentierten Konjunkturprognosen keinen Glauben schenken. Es wird geshoppt, als gebe es kein Morgen, doch Österreichs Wirtschaft soll laut OECD im Jahr 2009 um 4,3 Prozent schrumpfen. Im Detail fügen sich persönliche Wahrnehmung und Prognosen zusammen. Die Wirtschaftstätigkeit ist zusammengebrochen, weil der Konsumhunger außerhalb der Grenzen nachgelassen hat. Exportorientierte Staaten in Europa spüren das besonders. 2010 wird es nicht besser werden, schlechter aber auch nicht, meint die OECD, die aus den USA sogar Wachstumssignale hört. Die Politik stellt die Empfehlung der Ökonomen vor beinahe unlösbare Aufgaben. Denn der insgesamt verbesserte Ausblick ist allein auf die teuren Konjunktur- und Stabilisierungsmaßnahmen zurückzuführen.

Damit drohen allerdings Rekorddefizite. In Österreich könnte die Staatsverschuldung 2010 auf nahezu 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ansteigen, die Neuverschuldung dürfte 6,1 Prozent des BIP ausmachen. "Glaubwürdige mittelfristige Konsolidierungsmaßnahmen" fordert daher die OECD. Das würde bedeuten, dass wir den unsicheren Wachstumsfantasien vertrauen schenken und zusätzlich darauf bauen, dass nicht alle gleichzeitig den Geldhahn abdrehen. Tatsächlich illustriert der Bericht ein Gefangenendilemma, bei dem niemand jene Strategie kennt, die den maximalen Payoff auslöst.

Auf mikroökonomischer Ebene stehen Unternehmen vor einer ähnlichen Entscheidung. Ist der Zeitpunkt bereits gekommen, wieder zu investieren, oder sollen sie noch in Deckung bleiben? Die meisten Marktteilnehmer handeln in der Krise prozyklisch. Wir hoffen, dass Sie als Manager und Unternehmer diesen Kreislauf durchbrechen können. Doch wir können mit Sicherheit sagen, dass einige wirtschaftspolitische Entscheidungen Sie dabei massiv unterstützen könnten. Vor allem denken wir an das Aussetzen der Basel II-Regeln.

Auch wenn eine Firma von der Krise profitiert, etwa weil sich die Konkurrenz aus dem Markt zurückzieht, leiden starke Unternehmen unter verschärften Kreditkonditionen. Nach Äußerungen der deutschen Finanzaufsicht BaFin müssen Banken in Kürze erneut mit Downgrades rechnen. Das wird die Kreditvergabe bremsen und den Abschwung beschleunigen. Die G20 haben das Problem erkannt und planen Reformen. Doch solange wir darauf warten, leidet die Wirtschaft. Die Kapitalpolster der Banken sollten in Aufschwungphasen gebildet werden, nicht in der Rezession. Ein Aussetzen der Basel II-Regeln schafft hingegen jetzt viele Profiteure.

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