Sozialministerium: OECD-Studie zu Pensionssystemen irreführend - Äpfel werden mit Birnen verglichen

OECD legt Berechnungsgrundlagen nicht offen - falsche Zahlen und unzulässige Vergleiche

Wien (OTS/BMASK) - Als "nicht nachvollziehbar" wird die Studie der OECD zu den Pensionssystemen in den 30 Mitgliedsstaaten von ExpertInnen des Sozialministerium bezeichnet. "Hier werden eindeutig Äpfel mit Birnen verglichen, sodass bei Ländern mit einer starken 1. Pensionssäule wie Österreich der Eindruck vermittelt wird, sie würden das Geld für Pensionen aus dem Fenster werfen", kritisierte das Ministerium Mittwoch in einer Aussendung. Tatsache sei, dass die OECD ihre Berechnungsgrundlagen nicht offenlege; sie wende ihr eigenes Modell an und hantiere mit falschen Zahlen und falschen Vergleichen. "Es steht trotz dieser irreführenden OECD-Studie außer Frage, dass das österreichische staatliche Pensionssystem stabil und sicher ist, dass wir sorgsam und nachhaltig mit dem Geld der Versicherten umgehen und dass das staatliche System des Umlageverfahrens wesentlich krisenfester ist als das Kapitaldeckungsverfahren, das von den privaten Versicherern angewendet wird", machte das Sozialministerium klar. ****

So gehe die OECD bei ihren Berechnungen der Ersatzrate offensichtlich von einem gesetzlich möglichen Maximalfall aus, der praktisch so gut wie nie eintritt, jedoch von Seiten der Organisation als Normalfall ausgegeben wird. So liege die Ersatzrate - wie von der OECD behauptet - nicht bei 80 Prozent sondern nur bei 60,3 Prozent. Die 80 Prozent könne man nur erreichen, wenn man 45 Jahre durchgehende Versicherungsjahre mit einem durchschnittlichen Verdienst vorweisen könne. "Das ist komplett unrealistisch, weil hier Arbeitslosigkeit, längere Krankheitsphasen oder Schwankungen beim Einkommen nicht berücksichtigt werden", heißt es in der Aussendung.

Auch die Behauptung in der Studie, dass der Altersgruppe von Pensionisten zwischen 66 und 75 Jahren mehr in der Geldbörse bleibt als dem heimischen Durchschnittverdiener sei "Humbug", so die ExpertInnen. Die durchschnittliche Pro-Kopf-Pension in dieser Altersgruppe beträgt 1.164 Euro. Die Pension eines 66 bis 75jährigen beträgt daher nur rund 60 Prozent eines durchschnittlichen Aktivbezugs und ist nicht höher wie von der OECD behauptet. Genauso falsch sei der Anstieg der Pensionen im Vergleich zu den Durchschnittseinkommen berechnet worden. Zwischen 1999 und 2007 haben die Lohnanpassungen 19 Prozent betragen, die Pensionsanpassung hingegen nur zehn Prozent. "Es ist auch hier nicht zu erklären, wie solche Berechnungen bei der OECD zustande kommen", kritisierte das Sozialministerium.

Die OECD berechnet weiters, dass durch die krisenbedingten Verluste der privaten Pensionskassen im Durchschnitt der OECD-Staaten den Rentnern 5,4 Billionen Dollar - also rund das 15fache des österreichischen BIP - verloren gegangen sind. "Dieses Beispiel bestätigt eindrucksvoll, dass das Umlageverfahren deutlich krisenfester ist, als das Kapitaldeckungsverfahren, das im Falle einer globalen Wirtschaftskrise zwangsläufig zu großen Verlusten führen muss", so das Ministerium.

Abschließend wurde in der Aussendung als Beispiel für die unlautere Vorgangsweise der OECD angeführt, dass bei den Berechnungen zwar die Ausgaben für das staatliche Pensionssystem herangezogen wurden, nicht aber die Ausgaben für in vielen Staaten verpflichtende private Versicherungen. "Dadurch erwecken Staaten mit einer starken 1. Säule den Eindruck, sie würden viel mehr Geld in das Pensionssystem pumpen, als Staaten mit einer starken 2. bzw. 3. Säule. Das ist natürlich irreführend, denn es kann durchaus sein, dass die Ausgaben ähnlich hoch sind, nur wurden sie in dem einen Land nicht zur Gänze erfasst in dem anderen schon", heißt es aus dem Sozialministerium. (Schluss)

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