Wiener PatientInnenanwalt zur Gesundheitsreform

Brustbauer mit bisher bekannt gewordenen Punkten der Gesundheitsreform im Wesentlichen zufrieden

Wien (OTS) - Zur Gesundheitsreform bzw. Kassensanierung meldet
sich nunmehr auch der Wiener Pflege- und Patientenanwalt Konrad Brustbauer zu Wort. Im Wesentlichen zeigt er sich mit den bisher bekannt gewordenen Einzelheiten aus den Verhandlungen zwischen Krankenversicherung und Ärzten zufrieden, denn diese scheinen keine einschneidenden Leistungsrücknahmen für die PatientInnen zu bedeuten. Brustbauer: "Offenbar hat man in den Gesprächen ehrlich versucht ein Paket zu schnüren, für das nicht die versicherten PatientInnen zahlen müssen."

Grundlagen für Gemeinschaftspraxen und längere Öffnungszeiten bringen Vorteile

Brustbauer sieht Vorteile in der Erleichterung der Gründung und des Betriebs von Gemeinschaftspraxen und denkt dabei etwa an eine Operationsfreigabe. Sind mehrere Ärzte an einer Stelle konzentriert, bringt das nicht nur die durchaus wünschenswerte Entlastung von Spitälern bzw. deren Ambulanzen. Der Nachteil, der sich zuletzt durch die Auslagerung der Operationsfreigabe aus den Ambulanzen in den Bereich der niedergelassenen ÄrztInnen ergab, könnte mittelfristig wieder ausgeglichen werden. Brustbauer: "So wie früher in den Spitalsambulanzen muss man dann nicht verschiedene Arztpraxen aufsuchen, um die Einzelbefunde für die Operationsfreigabe zusammen zu sammeln, sondern wird das hoffentlich wieder mit einem einzigen Weg erledigen können." Eine Einschränkung macht Brustbauer allerdings: "Es muss den KassenpatientInnen weiterhin möglich sein, trotzdem Ärzte ihres Vertrauens aufzusuchen und nicht zwingend an die ÄrztInnen der Gemeinschaftspraxis gebunden zu sein." Absolut zu begrüßen ist aus PatientInnensicht die Einigung auf längere Öffnungszeiten der Ordinationen.

Qualitätssicherung verbessert

Zweifellos ist es eine entscheidende Weiterentwicklung der Qualitätssicherung, wenn künftig die Arztpraxen auch einer Kontrolle unterliegen, die nicht nur durch die eigene Standesvertretung der ÄrztInnen, also die Ärztekammer, erfolgt, sondern auch die Krankenversicherung eingebunden wird. Brustbauer warnt aber bei allem Verständnis für Kosteneinsparungen auch die Krankenkassen davor bei der Qualitätskontrolle der Arztpraxen primär bei finanziellen Aspekten anzusetzen. "Sparen am falschen Platz, etwa bei der Verschreibungs- und Verordnungspraxis kann nämlich viel höhere Folgekosten auslösen.", ist sich Brustbauer sicher.

Medikamente und Generika, Packungsgrößen

Brustbauer ist froh, dass nach dem Scheitern früherer Reformverhandlungen nun doch noch ein Kompromiss für die Verschreibung von Generika und für die Senkung der Kosten für Medikamente gefunden werden konnte. Dass ÄrzInnen nur den Wirkstoff verschreiben und die ApothekerInnen das kostengünstigste Medikament aussuchen, ist vom Tisch und damit auch der seinerzeitige Haupteinwand der Ärztekammer. Die Entscheidung tragen künftig Arzt und Patient gemeinsam. Die geringere Rezeptgebühr für Generika bietet den PatientInnen einen gewissen Anreiz nicht unbedingt auf die Verschreibung des Originalmedikaments zu bestehen. Gleichzeitig ist es aber wichtig, dass der Arzt entsprechend berät, denn schließlich soll der Patient letztlich jenes Medikament bekommen, das er braucht. "Die geringere Rezeptgebühr für Generika soll nicht das Hauptkriterium für die Entscheidung sein, sondern der zu erwartende Behandlungserfolg und die Verträglichkeit des Medikaments", wünscht sich Brustbauer für die PatientInnen.
Etwas Sorge bereitet Brustbauer noch die Absicht künftig kleinere Packungsgrößen zu verschreiben: "Aus der PatientInnensicht kommt das für chronisch Kranke mit Dauermedikation nicht in Frage, denn sie müssen dann öfter wegen eines Rezeptes zum Arzt laufen. Das kann weder im Sinn der PatientInnen noch der ÄrztInnen und der Krankenkassen sein." Außerdem gebe es außer den Gebietskrankenkassen auch andere Versicherungsanstalten, bei denen z.B. Selbstbehalte für jeden Ordinationsbesuch anfallen oder gar die Arztkosten vom Versicherten ausgelegt werden müssen und erst nachträglich teilweise rückerstattet werden. Diese Kassen verrechnen üblicherweise nicht pro Quartal, sondern pro Einzelordination. Das bedeute aber Mehrkosten für diese Kassen, vor allem aber auch für die dort versicherten PatientInnen. "Wer also z.B. laufend Tabletten gegen hohen Blutdruck oder sonst dauernd behandlungsbedürftige Krankheiten einnehmen muss, dem sollten auch weiterhin entsprechend große Packungen verschrieben werden.", meint Brustbauer. Nichts hat Brustbauer hingegen einzuwenden, wenn bei Akuterkrankungen kleinere Packungen verschrieben werden. "Auch dabei sollte aber dem tatsächlichen Bedarf entsprechend vorgegangen werden.", so Brustbauer. Außerdem fällt die Verlockung weg, dass man mit dem Packungsrest eine spätere Erkrankung ohne weiterer ärztlicher Verschreibung möglicherweise falsch behandelt. (Schluss) neu

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