WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Managergehälter - Die Realität hat uns wieder - von Herbert Geyer

Der Grundstein für die nächste Krise ist damit gelegt

Wien (OTS) - Die Welt - da waren sich die Kommentatoren rund um
den Erdball im vergangenen September einig, als die Investmentbank Lehman Brothers pleite ging und damit die größte Finanzkrise seit 1929 lostrat -, die Welt würde nie wieder die gleiche werden wie sie es vorher gewesen war. Zu eindrucksvoll hatte das Finanzsystem mit seiner inneren Logik, die von der Realwirtschaft völlig abgehoben hatte, bewiesen, dass es so nicht weiter funktionieren kann.

Seither sind drei Quartale vergangen, und die größte Finanzkrise seit 1929 hat auch die Realwirtschaft erfasst und sich zur größten Wirtschaftskrise der vergangenen 80 Jahre gemausert. Und während alles gebannt auf die diversen Indikatoren, Indizes und Wirtschaftsdaten starrt, um ein mögliches - hoffentlich baldiges -Ende der Krise daraus herauszulesen, hat sich eine einzige Branche bereits wieder an die Zeiten vorher herangeschlichen: die Finanzwirtschaft, konkret die Investmentbanken.

Die Milliarden-Anleihen, die die Staaten rund um den Globus aufnehmen müssen, um die Stimuli zu finanzieren, die verhindern sollen, dass die Realwirtschaft völlig den Bach runter geht, werden ja von Investmentbanken betreut. Und die krisenbedingte Ausdünnung der Bankenlandschaft bewirkt, dass der ohnehin nicht sehr stark ausgeprägte Wettbewerb in diesem Sektor noch etwas schwächer wird:
die Margen steigen.

Und so stehen wir vor der mehr als erstaunlichen Tatsache, dass wir in einer tiefen Rezession stecken und zusehen müssen, wie die, die uns in den Schlammassel hineingeritten haben, auf neue Rekordgewinne zusteuern.

Mit dem für die Betroffenen erfreulichen Nebenaspekt, dass auch die Bonuszahlungen, die mit für die Fehlsteuerung der Branche verantwortlich gemacht wurden (ihre Auszahlung hatte noch vor ein paar Monaten in den USA und der Schweiz beinahe auch eine politische Krise verursacht), dass diese Bonuszahlungen heuer ebenfalls Rekordhöhen erreichen werden.

Und das, obwohl (oder weil) die Boni nicht an nachhaltigen Unternehmenszielen oder gar volkswirtschaftlichen Kenngrößen gemessen werden, sondern nach wie vor an kurzfristigen Gewinnzielen, selbst auf die Gefahr hin, dass das Unternehmen damit langfristig in den Ruin geführt wird: Der Grundstein für die nächste Krise ist gelegt.

Diejenigen, die dafür verantwortlich sind und meinen, sie könnten so weitermachen wie vorher, sollten nicht glauben, dass das wirklich geht. Sie gefährden damit das System - nicht nur das der Banken, sondern das gesamte politische System.

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