"KURIER"-Kommentar von Josef Votzi: "Vergebene Chance"

Die Bischöfe wollen nach ihrer Rom-Visite neu durchstarten - mit altem Ballast.

Wien (OTS) - Der Vorgang war einmalig. Erstmals setzten sich alle "Streitparteien" an einen Tisch, um die Scherben zwischen Wien und Rom zu kitten: Der Papst, Kurienkardinäle, der Wiener Nuntius und vier österreichische Bischöfe, allen voran Kardinal Schönborn. Gezählte vier Monate nach dem Riesenwirbel um die geplatzte Ernennung des Landpfarrers Gerhard Maria Wagner zum Linzer Weihbischof war diese Woche in den Gemächern des Vatikans Pallawatsch-Aufarbeitung angesagt: Wie konnte es passieren, dass jemand mit einem derartigen obskurantistischen Weltbild (Harry Potter "Satanismus", Hurrikan eine "Strafe Gottes") als Bischof überhaupt infrage kommt.
Die Causa Wagner ist Kirchengeschichte, offen blieb der Fall Pfarrer Josef Friedl, Asylgeber für Arigona Zogaj. Denn jene Kreise, die Wagner vergeblich als Bischof pushten, wollten mit dem "Outing" des nicht zölibatär lebenden Pfarrers im aufgeheizten Linzer Kirchenklima schlicht Rache nehmen. Der Pfarrer musste nun brieflich im Vatikan geloben, künftig partnerlos zu leben. Der Zölibat, der vielen Friedls ein Problem ist, bleibt unantastbar. Ein neuer Scherbenhaufen: Glaubwürdige Aufarbeitung von offenen Geheimnissen schaut anders aus.

Rückfragen & Kontakt:

KURIER
Innenpolitik
Tel.: (01) 52 100/2649
innenpolitik@kurier.at
www.kurier.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKU0001