Rumänischer Patriarch weihte neues Gotteshaus in Salzburg

Daniel I. würdigt ökumenisches Klima in Österreich

Salzburg-Wien, 13.06.2009 (KAP) Der Bukarester Patriarch Daniel I. hat am Samstagvormittag in Salzburg eine neue rumänisch-orthodoxe Kirche geweiht. Dem Gotteshaus in Salzburg-Schallmoos ist auch ein Kultur- und Gemeindezentrum angeschlossen. An dem festlichen Weihegottesdienst des neuen Gotteshauses - das siebenbürgischen Holzkirchen nachempfunden ist - nahmen auch der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser und weitere Vertreter der Ökumene teil.

"Es freut mich besonders, dass hier in Salzburg eine Kirche von Österreichern nach unserem Muster gebaut wurde", würdigte Patriarch Daniel I. bereits am Freitagabend bei einem ökumenischen Festakt im Salzburger Bildungszentrum St. Virgil den Kirchenbau. Dieser Bau sei ein Symbol der Ökumene und ein Ort des Dialogs. "Ich danke diesem Land und der katholischen Kirche für alles, was sie für das rumänische Volk tut", fügte der Patriarch hinzu und lobte das ökumenische Klima in Österreich.

Der "Pro Oriente"-Festakt bildete den Auftakt des fünftägigen Österreichbesuchs des Oberhauptes der rumänisch-orthodoxen Kirche. Daniel I. plädierte dabei für den Blick auf das Gemeinsame von katholischer und orthodoxer Kirche. Die beiden Kirchen treten für die "Würde und Ewigkeit der von Gott geliebten menschlichen Person" und die "Heiligkeit des Lebens" ein, sagte der Patriarch. Die bestehenden Unterschiede und Hindernisse auf dem Weg zur Einheit müssten überwunden werden.

Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser würdigte die Verdienste von Patriarch Daniel für die Ökumene. "Ich danke Ihnen, dass Sie diesen Weg mit persönlichem Einsatz unterstützen", so Kothgasser. Der frühere Salzburger Landeshauptmann und jetzige Vorsitzende von "Pro Oriente"- Salzburg, Hans Katschthaler, wies in seiner Begrüßung auf den Lebenslauf des Patriarchen hin. Daniel I. gehört zu den führenden Theologen der orthodoxen Welt. Er habe nicht nur orthodoxe, sondern auch katholische und evangelische Theologie studiert, in Bukarest, Straßburg und Fribourg. Seine Lehrer waren u.a. der berühmte rumänische Theologe und Schriftsteller Dumitru Staniloae sowie der heutige Kardinal Karl Lehmann.

Ab 1990 war Daniel (Ciobotea) Metropolit der Moldau mit Sitz in Iasi. 2007 wurde er vom Heiligen Synod zum Oberhaupt der zweitgrößten orthodoxen Glaubensgemeinschaft mit mehr als 20 Millionen Mitgliedern gewählt. Bei dem Festakt in Salzburg sprach der Patriarch über "Die Lage der rumänisch-orthodoxen Kirche und ihre ökumenischen Beziehungen im Kontext der Neugestaltung Europas". Die großen Herausforderungen nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs" habe die rumänische Orthodoxie gut bewältigt, resümierte er. In öffentlichen Schulen wurde der Religionsunterricht wieder eingeführt, fast 2.000 Kirchen wurden neu gebaut, zahlreiche Klöster wurden eröffnet, berichtete Patriarch Daniel. In 637 Klöstern leben heute mehr als 8.000 Nonnen und Mönche. In 13.527 Pfarrgemeinden arbeiten 14.513 Priester und Diakone.

Ihre Glaubwürdigkeit beweise die Kirche aber vor allem durch karitative Werke, betonte Daniel I. So habe die rumänisch-orthodoxe Kirche 345 Sozialeinrichtungen neu aufgebaut, u.a. Sozialkantinen, Gesundheitszentren und andere Einrichtungen für Kinder, Ältere und Bedürftige. 2007 wurde auch ein Medienzentrum gegründet, das einen Radiosender, eine Fernsehstation, zwei Zeitungen, eine Presseagentur und das Kommunikationsbüro des Patriarchats beherbergt. Mit dem Staat hat die rumänische Orthodoxie ein Abkommen über Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen unterzeichnet.

Am Sonntag, 14. Juni, weiht der Patriarch in Wien die nach siebenjähriger Bauzeit fertiggestellte rumänische Andreaskirche in Wien-Simmering. Beginn des Gottesdienstes ist um 9.30 Uhr. Bei der Weihe werden auch Kardinal Christoph Schönborn und weitere Spitzenvertreter der christlichen Kirchen anwesend sein. Patriarch Daniel I. ist in Wien Gast von Kardinal Schönborn, mit dem er noch aus gemeinsamer Zeit an der Theologischen Fakultät Fribourg sehr verbunden ist. Am Nachmittag wird Patriarch Daniel zu einem Besuch im Stift Heiligenkreuz erwartet, wo er von Abt Gregor Henckel-Donnersmarck empfangen wird.

Der Montag, 15. Juni, ist von offiziellen Terminen geprägt. So wird Patriarch Daniel zunächst um 11 Uhr von Bürgermeister Michael Häupl im Wiener Rathaus empfangen, wo er sich ins Goldene Buch der Stadt Wien einträgt. Nach einem Empfang beim griechisch-orthodoxen Metropoliten Michael Staikos folgt um 17 Uhr eine Visite bei Bundespräsident Heinz Fischer in der Hofburg. Um 18.30 Uhr wird der Patriarch die Österreichische Nationalbibliothek besuchen und dabei u.a. kostbare rumänische Bücher und Handschriften besichtigen.

Am Abend folgt auf Einladung von "Pro Oriente" ein Festakt im Prunksaal der Nationalbibliothek; dabei wird Weihbischof Helmut Krätzl den Wiener Erzbischof repräsentieren. Auch bei diesem Festakt wird Daniel I. zur aktuellen Situation seiner Kirche und ihren ökumenischen Beziehungen Stellung nehmen. Im Rahmen des Festaktes wird der rumänisch-orthodoxe Patriarch mit dem Titel eines Protektors der Stiftung "Pro Oriente" ausgezeichnet.

Am Dienstag, 16. Juni, besucht Patriarch Daniel zunächst um 11 Uhr den Wiener Stephansdom; dabei spricht er u.a. am Grab von Kardinal König ein Gebet. Es folgt um 14 Uhr ein Besuch des Kunsthistorischen Museums, wo ihm die Ikone der Hl. Petrus und Paulus mit der Inschrift des moldauischen Fürsten Petru Schiopul gezeigt wird. Um 15.30 Uhr ist ein Gebet am sogenannten "Moldauer Kreuz" in Wien-Meidling vorgesehen.

Das "Moldauer Kreuz" erinnert an eine dramatische Episode: Der walachische Fürst Serban Cantacuzino war als Lehensmann dem osmanischen Sultan zur Heeresfolge verpflichtet. An der osmanischen Belagerung Wiens im Jahr 1683 musste der Fürst mit seinen Truppen teilnehmen. Die Rumänen errichteten in ihrem Lager ein Kreuz; täglich wurde auch auf osmanischer Seite die Heilige Messe gefeiert.

In Österreich ist die rumänisch-orthodoxe Kirche durch das "Orthodoxengesetz" von 1967 offiziell anerkannt. Derzeit bestehen sieben rumänisch-orthodoxe Pfarren in Wien, Graz, Salzburg, Linz, Knittelfeld, Klagenfurt und Feldkirch. Die rumänisch-orthodoxe Kirche in Österreich zählt zur Metropolie von Deutschland und Zentraleuropa.

Salzburger Kirche in Holzbauweise

Die neue rumänisch-orthodoxe Kirche "Zu den Heiligen Erzengeln Michael und Gabriel" in Salzburg ist in traditioneller siebenbürgischer Bauweise errichtet. In die Ikonostase wurden auch die Salzburger Patrone, die Heiligen Rupert und Virgil, aufgenommen, gemalt von rumänischen Ikonenmalern. Diese Heiligen lebten und wirkten in der Zeit vor dem Schisma zwischen Ost- und Westkirche. Daher sind die beiden Salzburger Landesheiligen auch für die rumänischen Gläubigen von besonderer Bedeutung.

Ebenfalls in traditioneller Holzbauweise ist das anschließende "Ökumenische Kulturzentrum" realisiert. Das Grundstück für Kirche und Kulturzentrum wurde vom Stift St. Peter zur Verfügung stellt. Die neue Kirche ist auch ein neuer Akzent in einem Stadtteil, der von Gewerbebauten und vom Verschublärm des Bahnhofs geprägt ist.

(forts. mgl.)
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