Lefebvrianer: Deutsche Bischöfe wollen klares Wort des Vatikans

Berlin-Paris-Vatikanstadt, 10.06.2009 (KAP) Nach Provokationen der "Pius-Bruderschaft" in den vergangenen Tagen soll der Vatikan ein klares Wort sprechen. Darauf hoffen nun die deutschen Bischöfe. Der Papst müsse sehen, wie die Gruppe auf sein großzügiges Entgegenkommen reagiere, erklärte der Bischof von Fulda, Heinz Josef Algermissen. Er wies darauf hin, dass er den Apostolischen Nuntius in Berlin, Erzbischof Jean-Claude Perisset, und den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, per Brief ausführlich über das Vorgehen der Bruderschaft und deren "Bruch des Kirchenrechts" informiert habe.

Im Gespräch mit "Radio Vatikan" erklärte Bischof Algermissen: "Die 'Pius-Bruderschaft' muss ohne Wenn und Aber das ganze Zweite Vatikanische Konzil rundum annehmen sowie die Lehre der Päpste von Johannes XXIII. bis Benedikt XVI. Wenn das nicht der Fall ist, gibt es schlicht keine Einheit. Ich habe in den vergangenen Tagen mehrmals gesagt, dass es für mich das Schlimmste ist, wenn ich einsehen muss, dass die 'Pius-Brüder' die Einheit gar nicht wünschen und diese Wunde in der Kirche weiter entzündet bleibt und weiter schwärt".

Die "Pius-Brüder" seien überheblich, betonte Bischof Algermissen:
"Das ist bei der Predigt von P. Franz Schmidberger am letzten Sonntag zu hören gewesen. Er sagte, dass die katholische Kirche, also unsere Kirche, sich zu ihnen bekehren müsse. Das ist für mich der Gipfel der Arroganz und Ignoranz. Es zeigt auch, dass sie im Konkreten nicht demütig sind oder einen Weg der Aufarbeitung gehen".

Am Wochenende hatten die "Pius-Brüder" Bischof Algermissen eingeladen, bei ihnen eine Messe zu besuchen. Der Bischof dazu: "Ich brauche nicht von ihnen eingeladen zu werden. Ich kann nämlich die lateinische Messe jeden Morgen in meiner Privatkapelle zelebrieren. Abgesehen davon ist an jedem Sonntag in einer Pfarrkirche in Fulda um 11.15 Uhr eine solche Messe nach 'altem Usus', und das seit Jahren. Deshalb nehme ich die Einladung von P. Schmidberger nicht an, die meiner Meinung nach von Süffisanz strotzt".

"Affront gegen die Einheit"

Die für Ende Juni geplanten Priesterweihen der Lefebvrianer seien "ein Affront gegen die Einheit der Kirche". Das erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, am Dienstag im "Deutschlandfunk". Auch Zollitsch wünscht sich, dass der Vatikan auf diese Provokation eine klare Antwort formuliert. Die Debatte habe innerhalb der katholischen Kirche und darüber hinaus viele Menschen verunsichert. Zugleich betonte Zollitsch, dass den lefebvrianischen Bischöfen kirchenrechtlich die Weihe von Priestern verboten bleibe. Die Aufhebung der Exkommunikation bedeute nicht, dass die Betroffenen wieder Amt und Funktion innerhalb der Kirche ausüben dürften.

Dem Papst allein bleibe es vorbehalten, wie er mit der Priesterbruderschaft verfahren werde, sollte es tatsächlich zu den Weihen kommen. Das erklärte ein Sprecher des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller. Eine mögliche Sanktionsmaßnahme wäre etwa die erneute Exkommunikation des weihenden Bischofs. Bereits im Frühjahr hatte sich Müller mit einem Schreiben an den Vatikan gewandt und um eine schriftliche Anweisung gebeten, wie er mit dem Priesterseminar der Bruderschaft, das auf dem Gebiet der Diözese Regensburg in Zaitzkofen liegt, verfahren soll. Bisher sei keine Antwort eingegangen.

Die Lefebvrianer sind offensichtlich der Auffassung, sie könnten rechtens Weihen durchführen. Mit der päpstlichen Aufhebung der Exkommunikation sei ein "provisorischer rechtlicher Status" eingetreten, so der Regens des lefebvrianischen Seminars in Zaitzkofen, P. Stefan Frey. Damit könne das Leben in der Bruderschaft normal weitergehen - Priesterweihen inklusive. Die "Pius-Bruderschaft" sieht die umstrittenen Weihen nicht als Provokation, "sondern als Fortsetzung ihrer Tätigkeit für das Heil der Seelen innerhalb der katholischen Kirche", sagte der Sprecher des deutschen Distrikts der Bruderschaft, Andreas Steiner, in Stuttgart. Der Vatikan habe bei der Aufhebung der Exkommunikation "nicht das Einstellen der Weihehandlungen gefordert".

Die jüngste lefebvrianische Priesterweihe in Frankreich am 3. Mai ist offenbar ohne Zustimmung des Vatikans erfolgt. Der örtliche Erzbischof Hippolyte Simon von Clermont war über die Weihe nicht informiert, wie er der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA sagte. Das Kloster Bellaigue - wo die Weihe stattfand - falle in die ausschließliche Zuständigkeit der "Pius-Bruderschaft" und nicht in seine, betonte Simon, der auch Vizepräsident der Französischen Bischofskonferenz ist. Er unterstrich, dass sich die Bruderschaft seit der Aufhebung der Exkommunikation in einem ungeklärten kirchenrechtlichen Status befindet. Der Ankündigung, es solle ein Dialog mit der Bruderschaft begonnen werden, seien vom Vatikan aus keine weiteren Informationen mehr gefolgt. "Wir befinden uns in einer Grauzone", bedauerte der Erzbischof.

Fellay war in der Glaubenskongregation

Wie am Dienstag aus Kurienkreisen verlautete, habe es keinerlei Sondererlaubnis für die Weihe in Bellaigue gegeben. Die Bischöfe der "Pius-Bruderschaft" hätten kein Recht, ihre Weihevollmacht auszuüben. Bischof Bernard Fellay, der Obere der "Pius-Bruderschaft", war nach Angaben seiner Organisation am Freitag zu Gesprächen in der vatikanischen Glaubenskongregation. Der Vatikan äußerte sich weder zum Besuch an sich noch zum Inhalt der Unterredung. Informell hieß es aus Vatikankreisen, die Initiative sei von Fellay ausgegangen. Es habe sich um eine Art Höflichkeitsbesuch vor dem Hintergrund gehandelt, dass die Verhandlungen mit der "Pius-Bruderschaft künftig stärker bei der Glaubenskongregation angesiedelt sein sollen. Bisher war die Kommission "Ecclesia Dei" zuständig.

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