Die netten Wahlverlierer

"Oberösterreichische Nachrichten"-Leitartikel von Wolfgang Braun; Ausgabe vom 10. Juni 2009

Wien (OTS) - Oft und oft haben die Grünen in den vergangenen
Jahren beklagt, dass sie es schwer haben, im Schatten der beiden Großparteien mit ihren Botschaften durchzukommen. In diesen Tagen werden sie ganz dankbar sein, dass der große Scheinwerfer auf den Verlierer der EU-Wahl, die SP, gerichtet ist. So können die Grünen relativ unbeobachtet versuchen, mit ihrer eigenen Wahlenttäuschung fertig zu werden.
Während grüne Parteien europaweit bei der EU-Wahl zulegten, verloren Österreichs Grüne ein Viertel ihrer Wähler von 2004. Für Eva Glawischnig wird die Luft durch diesen Verlust bei ihrer ersten Wahl als Parteichefin dünner. Denn ihre Entscheidung, den langjährigen EU-Spitzenkandidaten Johannes Voggenhuber auszubooten, war schlecht vorbereitet und brachte bis zum Ende Sand ins Getriebe.
Die Ursachen für die grüne Stagnation liegen aber viel tiefer. Da ist einmal ein fast schon notorischer Hang zu unbeholfenen Wahlkampagnen, die immer wieder in Wahlplakaten ihren Ausdruck finden, die zwar künstlerisch anspruchsvoll, aber politisch ein Rätsel sind.
Anders als viele ihrer europäischen Schwesterparteien sind Österreichs Grüne zudem ein arriviertes Mitglied der Parteienlandschaft. Neu, unkonventionell, unverbraucht - alles, was anfangs für viele den Reiz der Grünen ausgemacht hat, man findet es bei Glawisch-nig & Co nicht mehr. Im Gegenzug gelang es nicht, den Verlust der Frische durch den Aufbau einer schlagkräftigen Parteiorganisation auszugleichen. Noch immer wirken die Grünen wie eine Ansammlung von Einzelkämpfern, bei denen die Parteichefin eine von vielen ist und nicht diejenige, die die Richtung vorgibt.
Eine grüne Partei, die den Sprung von der Klein- zur Mittelpartei schafft, könnte in Österreich viel in Bewegung bringen. Doch derzeit ist die Partei ein Spiegelbild ihrer Chefin: Sie ist angenehm im Umgang und überaus sympathisch - aber nur wenige trauen ihr zu, dass sie schwere Herausforderungen besteht.

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