Fronleichnam: Festliche Prozessionen in ganz Österreich

"Stadtumgang" mit Kardinal Schönborn am Donnerstag in Wien -Eindrucksvolle "Seeprozessionen" in Oberösterreich und Kärnten -"Biker-Prozession" in Eibenstein

Wien, 08.06.2009 (KAP) Zum Fronleichnamsfest am Donnerstag finden in ganz Österreich festliche Prozessionen statt. In Wien führt Kardinal Christoph Schönborn den traditionellen "Stadtumgang": Um 8.30 Uhr feiert der Wiener Erzbischof das Pontifikalamt im Stephansdom, um 9.30 Uhr beginnt die Prozession. Aufgrund der Bauarbeiten in der Inneren Stadt ist heuer nur ein verkürzter und veränderter Prozessionsweg möglich, der über Singerstraße, Liliengasse und Weihburggasse zum Franziskanerplatz führt, wo sich die erste Station befindet. Über die Weihburggasse, Seilerstätte, Singerstraße und Curhausgasse führt der Weg dann zurück zum Stephansplatz, wo Kardinal Schönborn auch den Schlusssegen erteilen wird. Zu Messe und Prozession werden Tausende Gläubige aus dem In- und Ausland erwartet.

Die Tradition des Wiener "Stadtumgangs" reicht viele Jahrhunderte zurück: Im Jahr 1363 lud Herzog Rudolf IV. erstmals zur öffentlichen Fronleichnamsprozession durch die Stadt ein. In der Barockzeit nahmen die spanisch geprägten Habsburger-Herrscher persönlich an der Prozession teil - als erster Ferdinand II. im Jahr 1622. Wie in Wien so finden auch in den anderen Diözesanhauptstädten große Fronleichnamsprozessionen statt. Die Zahl der Prozessionsteilnehmer in ganz Österreich wird auf mehr als zwei Millionen geschätzt.

Beim Fronleichnamsfest bezeugen die Katholiken ihren Glauben an die Gegenwart Jesu im Sakrament der Eucharistie. Fronleichnam wird in der katholischen Kirche seit etwa 750 Jahren gefeiert. Der Ursprung des Festes liegt im heutigen Belgien: 1246 führte der Bischof von Lüttich (Liege), Robert de Thourotte, für seine Diözese das Fest ein und entwarf ein entsprechendes Messformular. Eine Ordensfrau aus dem Augustiner-Orden - Julienne de Cornillon - hatte den Bischof inspiriert. Sie, die als Vollwaise im Kloster erzogen worden war, hatte schon als junges Mädchen eine Vision, um deren Deutung sie jahrelang ringen musste: Sie sah den Vollmond mit einem dunklen Fleck. In ihren mystischen Visionen interpretierte sie schließlich den Mond als die Kirche, der in ihrem Festkreis aber noch ein Fest zu Ehren der Heiligen Eucharistie fehlte.

Die erste Fronleichnamsprozession wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Köln gehalten, allgemein kam sie um das Jahr 1400 in Brauch. Die Fronleichnamsprozessionen sind in der ganzen katholischen Welt - von Österreich bis Lateinamerika, von Polen bis ins indische Goa - mit farbenprächtigen populären Bräuchen verbunden. So sind bei vielen Prozessionen Kinder zu sehen, die Blütenblätter auf den Prozessionsweg streuen. In manchen Orten in Kärnten und in der Steiermark legen die Frauen früh am Morgen Blumenteppiche mit mosaikartigen Mustern, Sinnbildern und Sprüchen aus Blüten. Italienische Gärtner hatten im späten 18. Jahrhundert diesen Brauch in die heutigen südlichen österreichischen Bundesländer gebracht.

Eindrucksvolle Seeprozessionen

Zu den eindrucksvollsten Fronleichnamsprozessionen zählen jedes Jahr die Seeprozessionen in Oberösterreich. Sie können auf eine reiche Tradition zurückblicken. Die Prozession auf dem Hallstättersee wird 1623 erstmals erwähnt, die auf dem Traunsee 1632. Auch heuer finden in Hallstatt, Traunkirchen und Aschach an der Donau wieder Prozessionen auf dem Wasser statt.

Das Fest auf dem Hallstättersee beginnt um 9 Uhr mit einem Hochamt, anschließend findet die Seeprozession statt. In Traunkirchen beginnt der Gottesdienst in der Pfarrkirche bereits um 8 Uhr, es folgt die Prozession auf dem Traunsee.

Wie jedes Jahr wird auch in Aschach an der Donau ein Teil der Fronleichnamsprozession auf dem Wasser stattfinden. Um 9 Uhr wird in der Pfarrkirche ein Gottesdienst gefeiert. Bei der anschließenden Prozession auf der Donau begleiten zahlreiche Boote mit Teilnehmern in Tracht das reich geschmückte Hauptschiff mit dem Allerheiligsten.

Die Seeprozessionen dürften darauf zurückzuführen sein, dass in Orten wie Hallstatt - das zwischen Seeufer und Salzberg gedrängt liegt - für die in der Barockzeit immer üppiger gewordenen Fronleichnamsumzüge kein Platz war und man daher auf den See auswich.

Auch in Millstatt Feier auf dem See

Auch in Kärnten findet die Fronleichnamsprozession der Pfarre Millstatt heuer wieder auf dem See statt. Nach dem Festgottesdienst in der Stiftskirche, der um 8.30 Uhr beginnt, führt die Prozession zur Marchetti-Bootsanlegestelle, von der aus die Schiffe um 9.30 Uhr ablegen. Weitere Stationen der zweieinhalbstündigen Schiffsprozession sind Döbriach und Dellach.

In Klagenfurt feiert Diözesanbischof Alois Schwarz die gemeinsame Fronleichnamsfeier der Klagenfurter Stadtpfarren mit dem Thema "Gott wohnt in dieser Stadt" um 8.30 Uhr auf dem Domplatz. Anschließend leitet der Kärntner Bischof die Prozession durch die Innenstadt bis zur Stadtpfarrkirche St. Egid, wo er die sakramentale Schlussandacht hält.

Der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer und die Dompfarre St. Jakob laden am Fronleichnamstag zur traditionellen Tiroler Landesprozession in Innsbruck ein. An ihr nehmen zahlreiche hohe Vertreter des öffentlichen Lebens teil. Das Pontifikalamt beginnt um 8 Uhr im Dom. Im Anschluss findet die Prozession statt.

Eine besondere Fronleichnamsfeier gibt es heuer erstmals in Linz. Die Pfarren Christkönig, Urfahr, St. Markus und St. Leopold führen ihre Prozessionen allesamt zum Linzer Ars-Electronica-Center-Platz, wo um 10 Uhr der gemeinsame Festgottesdienst beginnt.

Waldviertler "Biker-Fronleichnam"

Eine besondere Prozession findet auch heuer wieder in Eibenstein im Waldviertel statt, wo der Geraser Altabt Joachim Angerer zum nun schon traditionellen "Biker-Fronleichnam" lädt. Auf die Festmesse auf der Jubiläumswiese um 10 Uhr folgt die Motorradprozession durch die umliegenden Dörfer und Orte. Am Samstag, 13. Juni, wird in Eibenstein zudem eine Gedenkstätte für verunglückte Motorradfahrer eingeweiht: ein sechs Meter hoher "Motorrad-Engel".

(forts. mgl.)
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