WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Quantität und Qualität sind zwei Paar Schuhe - von Robert Gillinger

Die EZB sorgt dafür, dass das Abendland ein Morgen hat

Wien (OTS) - Erst Japan, dann USA, Großbritannien und jetzt auch das Europa der EZB - Quantitative Easying steht auf der Tagesordnung der Zentralbanken. "Geldpolitische Lockerung" klingt aber wohl schöner als das Wort quantitativ, das nicht mit qualitativ zu verwechseln ist. Doch was bleibt der EZB anderes übrig? Denn ob Leitzinsen bei 1,0 oder 0,1 Prozent stehen, ist egal. Da die Wirtschaft trotzdem am ausgetrocknetem Geldtropf der Banken hängt, versucht die EZB dieser jetzt eben durch den Aufkauf von Anleihen unter die Arme zu greifen.

Dass das nicht zwingend funktionieren muss, zeigt das Beispiel Japan, das diesen Weg mehr oder weniger durchgehend seit 2001 beschreitet. "Es findet sich zwar kein starker Beweis dafür, dass die Bank of Japan erfolgreich war. Immerhin war die langfristige Rendite niedriger als in den vorausgegangenen Jahren. Das gibt der Möglichkeit Raum, dass die Politik positive Effekte hatte." So schrieb der nunmehrige Fed-Chef Ben Bernanke 2004 in einer Analyse unter dem Titel "Geldpolitische Alternativen bei Nullzinsen".

Im Fall der EZB können wir aber wenigstens (noch) von einer Art Qualitativem Easying sprechen. Der Ankauf von Covered Bonds, etwa Pfandbriefen, minimiert das Risiko für die Zentralbank selbst. Der Schrott, den sich etwa die Fed zulegte, bleibt zumindest mal draußen. Auch ist das avisierte Volumen überschaubar. Während die angelsächsischen Notenbanken hunderte Milliarden für Anleihenkäufe ausgeben, sind es bei der EZB gerade 60 Milliarden Euro - bei einem Gesamtvolumen von 1,5 Billionen Euro magere vier Prozent. Aber natürlich stellt sich ohnehin die Frage, warum eine dem Inflationsziel verpflichtete Notenbank Anleihen aufkauft, um die Renditen am Markt zu drücken, was in der Theorie leichteres Geld für die Wirtschaft bringt. Denn tiefere Renditen sind ein probates Mittel, um Deflation zu bekämpfen, die derzeit aber niemand nachhaltig erwartet. Gut also, dass die EZB eigentlich nichts tut, ihr Aufkaufprogramm entspricht etwa 0,6 Prozent der Wirtschaftsleistung der Euro-Zone, während Bank of England und Fed mit Werten jenseits der zehn Prozent agieren.

Gut ist das Ganze jedenfalls für den Euro, der sich zunehmend als stabiler Anker im Weltwährungsgefüge erweist. Knapp vor der EU-Wahl ist das auch kein schlechtes Zeichen - das Abendland hat also doch ein Morgen…

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