"KURIER"-Kommentar von Gert Korentschnig: "Nur nicht nicht"

Leider steht der Sieger bei der EU-Wahl schon fest: der Nichtwähler.

Wien (OTS) - Als in Österreich erstmals EU-gewählt wurde, machten noch 68 Prozent der Wahlberechtigten brav ihr Kreuzerl. Das war 1996, im Jahr nach dem Beitritt.
Seither ging es rapide bergab, und Österreich pendelte sich auf dem blamablen Wahlbeteiligungsniveau anderer Länder ein. Im Jahr 1999 wählten nur noch 45 Prozent die österreichischen EU-Mandatare. 2004 waren es 43 Prozent. Und der Autor dieser Zeilen verspeist eine EU-Flagge oder singt öffentlich die EU-Hymne (beides tut ungefähr gleich weh), wenn die Wahlbeteiligung diesmal über 50 Prozent liegt. Die Nichtwähler kommen garantiert auf die absolute Mehrheit, vielleicht sogar auf zwei Drittel. Das ist peinlich und hat leider nicht die geringsten Auswirkungen auf die Politik in Brüssel. Wenn man durch zahlreiche Null-Abgeordnete das Europa-Parlament verkleinern könnte, hätte das Nichtwählen als Signal Sinn. Wenn dadurch die Strache’schen Radikalisierungen im richtigen statt im rechten Licht erschienen (es haben ihn nicht mehr als 20 Prozent gewählt, sondern mehr als 20 von insgesamt 30 Prozent) - auch gut. Aber so?
Laut Meinungsforschern hilft Nicht-Wählen tendenziell Pro-Europäern. Wenn sie nur recht hätten.

Rückfragen & Kontakt:

KURIER
Kultur-Redaktion
Tel.: (01) 52 100/2722

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKU0003